Großes Interesse an der Fachtagung zu Beschwerdestellen in der Jugendhilfe

Wenn sich Heimkinder ungerecht behandelt fühlen


Ombuds- und Beschwerdestellen sind wichtig, damit die Rechte von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen der Erziehungshilfe besser vertreten werden. Darin waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei einer Fachtagung einig, die der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband NRW e.V. am Montag (7. November) in Wuppertal veranstaltet hat. Die Jugendhilfe habe sich in diesem Bereich aber erst auf den Weg gemacht. Weder die Finanzierung unabhängiger Beschwerdestellen noch die gesetzliche Verankerung solcher Anlaufstellen sind bisher geregelt, so die Kritik.

Das Interesse an dem Thema „Wie Kinderrechte zu Rechten von Kindern werden – Ombudschaft und Beschwerdestellen in der Jugendhilfe“ war groß. Rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer informierten sich in Fachvorträgen und diskutierten darüber, wie Kinderrechte in Heimen und anderen Einrichtungen der Erziehungshilfe größeres Gewicht bekommen und wie man mit Rechtsverletzungen umgehen kann. Die meisten Menschen im Saal kamen aus der Praxis. Vertreten waren vor allem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Heimträger und Jugendämter.

Den großen Bogen am Anfang spannte Peter Schruth, Professor für Recht in der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule Magdeburg Stendal. Er skizzierte die rechtlichen Rahmenbedingungen für Ombudsstellen in Deutschland – und zeigte deren Lücken auf. So sieht das neue Bundeskinderschutzgesetz, das demnächst im Bundesrat verabschiedet werden soll, keine externen Beschwerde- und Ombudsstellen in der Jugendhilfe vor. An dieser Stelle müsse von politischer Seite noch einiges getan werden, so Schruths Kritik.

Wie kann man Kinder und Jugendliche in Heimen und anderen Einrichtungen besser beteiligen? Das war die grundsätzliche Frage der Veranstaltung, die unter anderem die Diplom-Pädagogin Martina Kriener von der Fachhochschule Münster beleuchtete. Die evangelische Jugendhilfe Schweicheln ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Kultur der Beteiligung von Kindern in der Praxis aussehen kann. Sie hat ausgefeilte Konzepte entwickelt, wie sie Kindern und Jugendlichen ihre Rechte näher bringen und wie diese sich bei Bedarf beschweren können. Anschaulich und unterhaltsam berichtete der Einrichtungsleiter Ralf Mengedoth von Idee und Umsetzung in Schweicheln.

Der Ansatz des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband NRW e.V. geht über die internen Beschwerdemöglichkeiten hinaus. Er erarbeitet in seinem Modellprojekt „geRECHT in NRW“ – gefördert durch den Landschaftsverband Rheinland – gerade eine unabhängige Beschwerdestelle für alle, die sich in ihrer Einrichtung ungerecht behandelt fühlen – egal ob es um Taschengeldabzug, demütigende Erziehungsmethoden oder Gewalt geht. Das dreiköpfige geRECHT-Team hat über ein Jahr lang in Zusammenarbeit mit Heimleitungen in Essen und Köln ein starkes Konzept entwickelt. Jetzt startet in beiden Modellregionen die praktische Arbeit. Dieses Modellprojekt ist auch für Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fachtagung ein wichtiger Anstoß gewesen – zusätzlich zur Möglichkeit, die Beschwerde einer unabhängigen Anlaufstelle vorzubringen. Sie seien wieder sensibler für das Thema Kinderrechte und Beteiligung in den Heimen selbst geworden und hätten „interne Beschwerdeverfahren“ wieder auf die Agenda der Einrichtung gesetzt.

Nähere Infos zum Fachtag finden Sie auf der Homepage von “geRECHT in NRW”.

Bookmark and Share

Hinterlasse eine Antwort