Gericht bestätigt: Super Nanny verletzte die Menschenwürde

Wohl und Würde des Kindes spielten keine Rolle


(c) Etienne Rheindahlen/pixelio.de

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Die stilistischen Elemente der „Super Nanny“ waren in jeder Folge gleich (plump): Schreie, dramatische Musik, überspitzte Bemerkungen, Beleidigungen, Kamera-Zooms, verzweifelte Blicke, Tränen und die bevorstehende Apokalypse der Familie. Schnell musste eine Heldin her, die für „Friede, Freude und Eierkuchen“ sorgt und insbesondere das Wohl der Kinder im Blick behält (ok, und die Quoten natürlich auch): die selbsternannte „Super Nanny“ Katia Saalfrank.

Die Tatsache, dass bei diesem Format weder Wohl noch Würde des Kindes und seiner Eltern beachtet wurden, war für den Deutschen Kinderschutzbund Landesverband NRW e.V. bei der ersten Ausstrahlung 2004 schnell klar. Die Kinder wurden instrumentalisiert und  bewusst in Gewalt- oder Konfliktszenen eingebaut. Familien wurden öffentlich zur Schau gestellt – Hauptsache es kommt keine Langeweile auf!

Weil Kinder in einer Ausgabe aus dem Jahr 2011 tätlich angegriffen und somit geschlagen wurden, hatte die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) einen Verstoß gegen die Menschenwürde festgestellt. RTL hatte gegen diese Rüge Klage beim Verwaltungsgericht Hannover eingereicht und berief sich dabei auf die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF). Schließlich hatte man dort die Ausstrahlung der besagten Folge genehmigt.

Doch das Gericht hat am Dienstag die Klage abgewiesen und die Entscheidung der KJM bestätigt: Nach dem Urteil der Richter hätten die Bilder der geschlagenen Kinder nicht ausgestrahlt werden dürfen. Die Kinder wurden vor laufender Kamera beschimpft und geschlagen. Selbst in der Vorschau wurden Sequenzen gezeigt, um so die Zuschauerinnen und Zuschauer zu locken. Zudem sei das Team von RTL stets anwesend gewesen, ohne aber einzuschreiten.
So gab es in der einstündigen Folge insgesamt 22 (!) Gewaltszenen und erst nach der 10. Szene ist die „Super Nanny“ eingeschritten.

Das Urteil des Verwaltungsgerichts Hannover freut mich natürlich einerseits, ist doch die Verletzung der Menschenwürde nun auch von einer gerichtlichen Instanz festgestellt worden. Andererseits ist das Problem im Kern nicht gelöst oder beseitigt worden: die öffentliche Bloßstellung, das Instrumentalisieren von Kindern und Jugendlichen und die (offensichtlich) vorhandene Gier der Zuschauer danach. Dabei ist es vollkommen gleichgültig, ob es ein Scripted Reality Format (nach Drehbuch) ist: Solange Kinder und Jugendliche öffentlich gedemütigt und in ihrer Würde verletzt werden, sollten diese Sendungen vom Bildschirm verbannt werden. Das liegt in der Macht der Fernsehschaffenden – und der Zuschauer selbst. Schließlich hat jede Fernbedienung eine Ausschalt-bzw. Umschalt-Taste.

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