Archiv zum Thema "Allgemein"

Jugendliche laden Videos aus dem Kinderzimmer ins Netz hoch

Die Videoplattform „Younow“alarmiert Kinderschützer


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(c) Rainer Sturm/pixelio.de

Express yourself!“ Mit diesem markigen Spruch wirbt „Younow“ auf seiner Website. Über das Portal können Jugendliche offiziell ab 13 Jahren ihre privaten Handyaufnahmen für alle sichtbar ins Netz stellen. Teenager finden das super. Sie lieben es, sich und ihre Vorlieben und Talente im Internet zu präsentieren. Für Kinderschützer dagegen ist das Portal ein Quell der Gefahren für Kinder und Jugendliche – zu Recht, wie ich finde. Natürlich sollen sich Teenies austauschen und darstellen können – aber nicht auf diese ungeschützte Weise. Niemand kann kontrollieren, wer welche Informationen hochlädt und auf diese Weise für alle Welt verfügbar macht. Zwar soll ein Moderatorenteam dafür sogen, dass User nicht gegen die Regeln verstoßen. Dennoch werden Kinder und Jugendliche auf „Younow“ nicht wirkungsvoll gegen Übergriffe und Gefährdungen geschützt, so die Einschätzung des Familienministeriums. Für Kinder sei der Dienst nicht geeignet.

Ich sehe vor allem die Erziehungsberechtigten in der Pflicht. Sie haben die klare Aufgabe, sich über das, was ihre Kinder im Netz posten, auf dem Laufenden zu halten. Kinder und Jugendliche können nur durch Aufklärung dazu gebracht werden, sorgsam mit ihren Daten und persönlichen Aufnahmen im Internet umzugehen. Eltern sollten sich immer mal wieder mit an den Rechner oder ans Handy setzen – auch wenn es für Kinder und Jugendliche hochgradig uncool ist. Klare Grenzen sind an dieser Stelle Gold wert.

 

Morgen sendet die ARD einen Fernsehfilm über die Missbrauchsfälle in der Odenwaldschule

Wie wirklich kann Fiktion sein?


(c) Günther Gumhold/pixelio.de

(c) Günther Gumhold/pixelio.de

Was machen Sie morgen Abend? „Och, mal sehen“, würde ich in der Regel auf eine solche Frage antworten. Heute nicht. Denn ich weiß ganz genau, was ich morgen Abend machen werde: fernsehen. In der ARD läuft ein Spielfilm über die Missbrauchsfälle an der reformapädagogischen Odenwaldschule. Er heißt „Die Auserwählten“. Der Regisseur Christoph Röhl war selbst Tutor an der Odenwaldschule und hatte bereits einen Dokumentarfilm über die Missbrauchsfällegedreht. Er ist die Basis für „Die Auserwählten“. Der Spielfilm nähert sich dem Thema fiktional. Dennoch sind die Themen äußerst real. Bereits in der Vorschau ist die Beklemmung spürbar – und die unfassbare Wahrheit, dass vielen Missbrauchsopfern jahrelang niemand glaubte.

Was halten Sie von dem Film und der Idee, sexuellen Missbrauch in Form eines Spielfilms aufzuarbeiten? Wir sind neugierig auf Ihre Kommentare.

Einen Vorbericht zu „Die Auserwählten“ finden Sie hier.

Sendetermin: 1. Oktober, 20.15 Uhr, ARD

 

Für sozial schwache Familien sind die Kosten der Einschulung ein Problem

Wenn Tornister, Stifte & Co. auf den Geldbeutel drücken


Helene Souza/pixelio.de

Helene Souza/pixelio.de

Tornister, Hefte, ein Rechenbuch, Farbkasten, Wachsmaler, eine Schultüte mit kleinen Geschenken und ein Mittagessen mit Verwandten und Freunden. Das alles (und noch mehr) kommt auf eine Familie zu, wenn ein Kind eingeschult wird. Ich weiß das aus eigener Erfahrung: Bei meiner Tochter ist es in ein paar Tagen soweit. Und ich weiß auch, was all diese Dinge kosten. Fachleute haben nur allein für die Erstausstattung an die 300 Euro zusammengerechnet. Familien mit niedrigem Einkommen können sich das kaum leisten. Viele Kinder sitzen dann ohne das geforderte Material im Klassenzimmer, berichten Lehrkräfte. Die staatliche Unterstützung reicht zum Schulstart einfach nicht aus. Das Bildungs- und Teilhabepaket sieht 100 Euro pro Kind und Schuljahr vor. Damit lässt sich gerade der Tornister bezahlen, mehr aber nicht. Zwei Auswege wären denkbar: Entweder bekämen sozial schwache Familien mehr Geld, um die Kosten der Einschulung eines Kindes gut abdecken zu können. Oder die Schulen stellten die Materialien, die die Kinder zum Lernen brauchen, zur Verfügung.

Was meinen Sie dazu? Haben Sie andere Lösungvorschläge? Oder bewerten Sie das Problem ganz anders? Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare.

 

Gericht bestätigt: Super Nanny verletzte die Menschenwürde

Wohl und Würde des Kindes spielten keine Rolle


(c) Etienne Rheindahlen/pixelio.de

(c) Etienne Rheindahlen/pixelio.de

Die stilistischen Elemente der „Super Nanny“ waren in jeder Folge gleich (plump): Schreie, dramatische Musik, überspitzte Bemerkungen, Beleidigungen, Kamera-Zooms, verzweifelte Blicke, Tränen und die bevorstehende Apokalypse der Familie. Schnell musste eine Heldin her, die für „Friede, Freude und Eierkuchen“ sorgt und insbesondere das Wohl der Kinder im Blick behält (ok, und die Quoten natürlich auch): die selbsternannte „Super Nanny“ Katia Saalfrank.

Die Tatsache, dass bei diesem Format weder Wohl noch Würde des Kindes und seiner Eltern beachtet wurden, war für den Deutschen Kinderschutzbund Landesverband NRW e.V. bei der ersten Ausstrahlung 2004 schnell klar. Die Kinder wurden instrumentalisiert und  bewusst in Gewalt- oder Konfliktszenen eingebaut. Familien wurden öffentlich zur Schau gestellt – Hauptsache es kommt keine Langeweile auf!

Weil Kinder in einer Ausgabe aus dem Jahr 2011 tätlich angegriffen und somit geschlagen wurden, hatte die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) einen Verstoß gegen die Menschenwürde festgestellt. RTL hatte gegen diese Rüge Klage beim Verwaltungsgericht Hannover eingereicht und berief sich dabei auf die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF). Schließlich hatte man dort die Ausstrahlung der besagten Folge genehmigt. Weiterlesen »

 

Impulspapier "Uneingeschränkte Rechte für junge Flüchtlinge" war Thema im Landtagsausschuss

Es zählt nicht, was Kinder und Jugendliche brauchen


(c) DKSB/Susanne Tessa Müller

Gestern war ich bei der öffentlichen Sitzung des Landtagsausschusses für Familie, Kinder und Jugend. Auf der Tagesordnung stand die Beschäftigung mit dem Impulspapier zur UN-Kinderrechtskonvention der Freien Wohlfahrtspflege NRW „Uneingeschränkte Rechte für junge Flüchtlinge“. Dieses Impulspapier wird von 16 Fach- und Kinder- und Jugendverbänden unterstützt. Es fordert im Wesentlichen die Umsetzung der Vorgaben der UN-Kinderrechtekonvention in Nationales Recht, konzentriert sich dabei aber auf die Möglichkeiten der Landesebene. Junge Flüchtlinge sind nämlich in Deutschland nicht in erster Linie Kinder und Jugendliche, sondern „Ausländer“, für die die Voraussetzungen im Ausländer, Asyl- und Asylverfahrensrecht gelten.

Auch wenn es einen parteiübergreifenden Konsens zu geben scheint, dass sich die Lebenssituation junger Flüchtlinge in NRW verbessern muss, sie eine sicherere Aufenthaltsperspektive haben sollten und damit auch einen besseren Zugang zu Ausbildung, Beruf, gesundheitlicher und psychosozialer Versorgung, so schränken die gesetzlichen Gegebenheiten gerade dies immer noch erheblich ein oder machen manches gar unmöglich. Und das gilt sowohl für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge wie für Flüchtlingskinder, die mit ihren Familien hierher gekommen sind. Weiterlesen »

 

Bundesmitgliederversammlung verabschiedet einstimmig Resolution zur Stärkung der Rechtsansprüche auf Frühe Hilfen

Gerechtere Startchancen für alle


DKSB/Susanne Tessa Müller

DKSB/Susanne Tessa Müller

Eigentlich hatte ich keinen Zweifel daran. Aber trotzdem bin ich froh, dass die Bundesmitgliederversammlung am Wochenende in Köln die Resolution zur Stärkung der Rechtsansprüche auf Frühe Hilfen verabschiedet hat. Für seine fachpolitische Lobbyarbeit hat sich der Deutsche Kinderschutzbund vorgenommen, eine bessere Verankerung der Frühen Hilfen zu erreichen. Bisher war die Umsetzung in Deutschland ja sehr ungleichmäßig und sehr ungerecht verteilt. Ob und in welchem Maße die Hilfen, die im Bundeskinderschutzgesetz festgeschrieben sind, ausgezahlt werden, ist sehr stark davon abhängig, wie viele Mittel die Städte und Gemeinden dafür zur Verfügung stellen können.

Das führt zu einer großen Ungleichheit und widerspricht damit dem grundgesetzlichen Auftrag, gleiche Lebensbedingungen für alle Kinder in unserem Land zu schaffen. Wir hoffen, dass wir mit der Resolution vom Wochenende einen Anstoß zur Veränderung bewirken können. Weil der Kinderschutzbund gerade den Frühen Hilfen, die meist präventiv wirken, große Bedeutung zumisst, werden wir unsere Lobbyarbeit verstärkt darauf ausrichten, für Kinder zumindest hier gleiche Chancen in Deutschland zu ermöglichen.

 

Fernseh-Kritik: "Wer seine Kinder liebt, der züchtigt sie"

Eine behutsame Sammlung persönlicher Erfahrungen


w. r. wagner/pixelio.de

© w. r. wagner/pixelio.de

“Wer seine Kinder liebt, der züchtigt sie….” So lautet der Titel der 45-minütigen Dokumentation, die ich letzte Woche in der ARD gesehen habe. Der Film berichtet über drei Protagonisten (Jahrgang 1940, 1946 und 1959), deren Kindheit durch Prügel und seelische Gewalt bestimmt war. Die Doku hinterließ bei mir ein beklemmendes Gefühl angesichts der unberechenbaren Grausamkeiten denen die Kinder ohnmächtig ausgesetzt waren.Der Film beschreibt sehr eindringlich, wie Kinder jene Zeit erlebten, in der Schläge mit Rohrstock, Teppichklopfer, Gerte oder Ledergürtel ganz selbstverständlich zum Alltag in Familie und Schule dazugehörten. Kinder sollten parieren, Gehorsam leisten, widerstandsfähig und zäh sein. Ihre Leben wurden geprägt von gnadenlos demütigenden Erziehungsmethoden und dem innerlichen Überlebenskampf diese zu ertragen. Der Film beschreibt auch die gesellschaftliche Atmosphäre, in der ein solcher Umgang mit Kindern geduldet wurde, das selbstverständliche Schweigen und Wegsehen der anderen, das stille Hinnehmen aller.Olle Kamelle – von wegen! Erst seit dem Jahr 2000 ist in Deutschland Gewalt in der Erziehung gesetzlich verboten. Zu Recht! Denn: Eine Tracht Prügel hat noch niemandem geholfen! Gewalt trägt nicht zu einem gelingenden Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen bei, sondern hinterlässt bleibenden Narben.

Die Dokumentation ist keine leichte Kost, denn sie ist keine nüchterne Berichterstattung sondern vielmehr eine behutsame Sammlung persönlicher Erfahrungen und deren Folgen. Dabei verzichtet sie auf pietätlosen Populismus.

Wer die Sendung verpasst hat, kann sich den Film online anschauen.

 

In Frankreich sind Mini-Miss-Wahlen heftig in die Kritik geraten

Schönheitswettbewerbe für Kinder verbieten? Oui!


Tim Reckmann/pixelio.de

© Tim Reckmann/pixelio.de

Manchmal kommt es mir so vor, als hätte ich ein Déjà vu. Gestern Morgen war das auch wieder so. Da las ich in der Zeitung einen Bericht über Mini Miss-Wahlen in Frankreich. Dort werden Kinder zum Teil sehr vulgär aufgemacht und posieren dann vor einer Jury auf dem Laufsteg. Schönheitswettbewerbe für Kinder sind dort noch nicht so verbreitet wie in den USA, aber fast.

Der Artikel hat mich heftig an die 1990-er Jahre in Nordrhein-Westfalen erinnert. Damals sollte es im Phantasialand in Brühl auch Mini Miss-Wahlen geben. Zusammen mit den Orts- und Kreisverbänden der Umgebung haben wir  vom Deutschen Kinderschutzbund Landesverband heftig dagegen protestiert, Kinder wie kleine Erwachsene zu behandeln und allein ihr Aussehen und Auftreten  nach zweifelhaften Kriterien (schlanke Figur, blaue Augen, adrettes Auftreten….)  zu bewerten. Wer ist die oder der Schönste im ganzen Land? Mini-Miss-Wahlen sind ein Spektakel von und für Erwachsene – auf Kosten der Kinder.
In Frankreich will das Parlament jetzt Schönheitswettbewerbe für Kinder unter 16 Jahren verbieten lassen. Im Januar wird die Nationalversammlung einen entsprechenden Gesetzentwurf beraten. Wäre ich dort stimmberechtigt, würde ich auf jeden Fall „oui“ zum Verbot sagen.

 

Manchmal entdeckt man unerwartete Gedanken am Straßenrand

Von jungen Pflanzen und Kindern


© DKSB/Nicole Vergin

Ich bin keine Gärtnerin. Deswegen weiß ich auch nicht genau, was das für eine Pflanze ist, die da auf dem Grünstreifen neben unserer Straße wächst. Aber sie fällt mir jeden Tag auf dem Heimweg auf – weil sich jemand offensichtlich sehr viel Mühe damit gegeben hat. Die Stäbe zum Hinaufranken sind nicht sehr professionell, aber wirkungsvoll mit Klebeband verbunden. Das junge Pflänzchen weiß also, wo es langgeht – und hat dabei die Unterstützung, die es braucht.

Das Ganze hat mich an das Zusammenleben und -arbeiten mit Kindern erinnert. Es ist anstrengend und aufreibend, jeden Tag aufs Neue Grenzen zu setzen. Aber sie helfen beim Großwerden. Ein Stück Kinderschutz-Philosophie vom Straßenrand.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Befürworten Sie klare Grenzen? Oder sagen Sie: Kinder sollten so frei wie möglich aufwachsen? Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

 

Kinder brauchen unverplante Zeit – und Eltern auch

Lässt sich Muße üben?


© Marion Wagner/PIXELIO

Meine Kinder sind zwei und vier Jahre alt und lassen sich bei allem, was sie tun, ganz viel Zeit: beim Essen, beim Zähneputzen und Anziehen und auf dem Weg zum Kindergarten sowieso. Es nervt mich manchmal, wenn sich die beiden jedes Blatt und jeden Stein genau anschaue möchten. Gerade morgens, wenn ich pünktlich zur Arbeit kommen sollte. Ich empfinde meine Kinder dann als Bremser in meinem temporeichen Leben, in dem vieles Zack-Zack gehen muss.

Bevor Sie jetzt verständnislos den Kopf schütteln: Ich weiß sehr wohl, was „Achtsamkeit“ bedeutet – nur kann ich damit im Alltag nicht immer etwas anfangen. Gerade, wenn sich die Aufgaben drängen und alles gleich wichtig erscheint, drängele ich meine Kinder öfter mal, etwas schneller zu tun. Schade eigentlich, denke ich manchmal. Letztens zum Beispiel, da lag bei uns Schnee – und meine Kinder haben den mit viel Ausdauer weggeschoben, darin Fußabdrücke gemacht und Schneebälle geformt. Das war ihnen viel wichtiger als pünktlich in den Kindergarten zu kommen. In solchen Momenten träume ich von der berühmten Entschleunigung – und lerne von meinen Kindern, für die das ganz normal ist: Mal anhalten und Pause machen – und fühlen, wie kalt der Schnee ist.

Das ist doch kein schlechter Vorsatz für die Weihnachtsferien: das allgemeine Lebenstempo ein bisschen drosseln. Obwohl das ganz allein wahrscheinlich schwierig wird. Das geht ja vielen so, dass das Leben immer schneller wird und sie kaum noch mitkommen. Im Grunde müsste unsere ganze Gesellschaft vom Gas gehen. Weniger Tempo, dafür mehr Zeit für die Begegnung mit anderen, für zwischenmenschliche Kontakte – und auch für Blätter und für Schnee. Wenn es nicht so kitschig wäre, wäre das doch ein schöner Weihnachtswunsch.