Archiv zum Thema "Medien"

Der Weihnachtsspot eines großen Versandhauses ist ärgerlich

Kaufe, dann bist du als Vater perfekt …


(c) Rainer Golitz/pixelio.de

So lautet die Botschaft eines neuen Weihnachtsspots eines Versandhauses.

In dem Werbespot sieht man einen Vater, der mit seinem Sohn einen Großsegler ansieht. Der Vater entschließt sich, dieses Schiff in Holz nachzubauen. Er studiert Baupläne, klebt und werkelt. Leider ist das Ergebnis nicht perfekt oder schön. Der Vater ist frustriert.

Dann die Überraschung: Man sieht, wie der Junge unterm Weihnachtsbaum das Geschenk auspackt – es ist eine Spielekonsole. Der Vater lacht, das Kind freut sich. Dann Auszoomen, und das Segelschiff des Vaters liegt als Wrack draußen im Schnee.

Welche Wirkung hat der Weihnachtsspot auf Väter und ihre Kinder?

Ich finde, er demotiviert Väter und Kinder und setzt hohe Maßstäbe der Perfektion. Aus psychologischer Sicht zerstört er die Eigeninitiative von Vätern, aus pädagogischer Perspektive torpediert er die Beziehung zwischen Vätern und Kindern.

Dabei ist aus meiner Sicht doch etwas ganz anderes wichtig: die Erfahrung, dass man nicht perfekt sein muss, um gemocht zu werden.

Also, liebe Väter: Werdet aktiv, verschenkt gute gemeinsame Erlebnisse, die die Beziehung zu euren Kindern stärken, verschenkt eure Zeit an die Kinder, unternehmt etwas mit ihnen. Tipps finden sich zum Beispiel hier: www.vater-kind-aktionen.de

 

Das Internet liefert bei der Suche nach der Terrorgruppe Islamischer Staat unfassbar grausame Bilder

Nicht auszuhalten: Enthauptungen im Internet


(c) CFalk/pixelio.de

(c) CFalk/pixelio.de

Wer im Internet nach Bildern der Terrorgruppe Islamischer Staat sucht, bekommt blutige Grausamkeiten zu sehen: Männer, denen die Köpfe abgeschlagen wurden. Schreiende Kleinkinder, auf die mehrere Gewehre gerichtet sind. Menschen, die massenhaft erschossen wurden. Solche realen Gewaltdarstellungen gehören zu den ersten Ergebnissen der großen Suchmaschinen und sind in wenigen Mausklicks erreichbar – nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder und Jugendliche. Und hier liegt das besondere Problem: Kinder nehmen die schreckliche Realität anders als Erwachsene auf und brennen Gesehenes in ihren Emotionen ein – still und nachhaltig oder auch laut und voller Wut.

Aus gutem Grund sind in Deutschland bestimmte Darstellungen in Filmen und Computerspielen entweder ganz verboten oder offiziell erst ab 18 Jahren erlaubt. Ob diese gesetzlichen Regelungen im Einzelfall immer greifen, ist ein anderes Problem. Aber was ist, wenn die Wirklichkeit grausamer ist als jeder Horrorschocker? Unterliegen diese Bilder dann nicht ähnlichen Regeln? Ich meine: ja. Darauf macht auch Irene Johns, Vorsitzende des DKSB Landesverbandes Schleswig-Holstein, aufmerksam. Sie forderte in einem Offenen Brief Google auf, diese grausamen und menschenverachtenden Gewaltdarstellungen zu sperren. Ein sinnvoller Appell, finde ich. Weiterlesen »

 

Polizei-Statistiken zu Gewalt gegen Kinder

Hinschauen kostet nichts


(c) DKSB/Susanne Tessa Müller

(c) DKSB/Susanne Tessa Müller

Eigentlich nehme ich Zahlen nicht so ganz wichtig, weiß ich doch um ihre Begrenztheit. Oft sind sie für meinen Geschmack zu abstrakt und zu nüchtern. Aber kürzlich sind mir beim Nachrichtenhören einige Zahlen doch sehr unter die Haut gegangen. 153 Kinder sind im vergangenen Jahr in Deutschland getötet worden – entweder durch Mord, Tötung oder Körperverletzung. So steht es in der polizeilichen Kriminalstatistik. 4000 Kinder wurden misshandelt und über 13.000 Opfer eines sexuellen Missbrauchs.

Ich beschäftige mich seit über 19 Jahren mit dem Thema „Gewalt gegen Kinder“ und weiß daher, dass zahlreiche Kinder in der einen oder andere Weise von Gewalt betroffen sind. Aber wenn ich die Schicksale der Kinder so kondensiert präsentiert bekomme, bin ich doch immer noch betroffen. Hinzu kommt, dass ich   mir darüber im Klaren bin, dass gerade bei der sexualisierten Gewalt die  tatsächlichen Zahlen sehr viel höher sind als die Statistik vermuten lässt. Denn es ist von einer sehr hohen Dunkelziffer auszugehen. Weiterlesen »

 

Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht Studie zum Mittagessen in den Kitas

Unausgewogen und zu viel Fleisch


Works-Fotostudio-IT-Bereich/pixelio.de

Works-Fotostudio-IT-Bereich/pixelio.de

Selten habe ich mich von den Radio-Nachrichten so bestätigt gefühlt wie heute Morgen. Der Kern der Meldung: Die Bertelsmann-Stiftung stellt dem Essen in Kindertagesstätten ein schlechtes Zeugnis aus. In fast der Hälfte der Kitas komme zu häufig Fleisch auf den Tisch; nur rund 10 Prozent der Kitas biete Obst in der empfohlenen Menge an. Ich kenne solche Gespräche über Bockwürstchen, Bolognesesoße und Hackbraten aus der Kita meines Sohnes nur zu gut. Die Leiterin meint, Fleisch gehöre zu einer ausgewogenen Ernährung dazu. Außerdem gebe es kaum andere Gerichte des Vertragscaterers, die ein Großteil der Kinder gerne isst. Das sehe ich ganz anders. Ein gutes vegetarisches Essen ohne Fleisch kann nicht wesentlich teurer sein als eines mit Fleisch. Ich finde, wir brauchen ganz klare Qualitätsstandards beim Kita-Essen. Das sieht auch Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, so. Er fordert bundesweit einheitliche Standards für das Essen, was da jeden Tag auf den Kita-Tisch kommt.Und Sie? Was denken Sie über das Mittagessen in den Kitas?

Die detaillierten Ergebnisse der Bertelsmann-Studie finden Sie hier

 

 

Heute ist der Internationale Tag der Familie

Mehr Mut zum Unperfektsein


Gisela Peter/pixelio.de

Gisela Peter/pixelio.de

Familie: Hier lernen Kinder, sich zu streiten und sich wieder zu vertragen. Sie erfahren Fürsorge, Nähe, Zuspruch und das gute Gefühl „Hier gehöre ich hin“. Für viele Kinder ist ihre Familie das Wichtigste überhaupt. Um an diese zentrale Stellung der Familie zu erinnern, haben die Vereinten Nationen den Internationalen Tag der Familie ausgerufen. 1994, vor genau zehn Jahren, wurde er zum ersten Mal begangen.„Wozu denn das?“, mögen sich manche fragen. Weil das Leben in einer Familie alles andere als einfach ist. Die Anforderungen an Familien sind in den vergangenen Jahren enorm gewachsen, weil sich die gesellschaftlichen Verhältnisse gewandelt haben.

Wir als Deutscher Kinderschutzbund schauen natürlich besonders auf die Situation der Kinder. Denn Familien sind alle Lebensformen mit Kindern – ob mit beiden Elternteilen, mit einer Mutter oder zwei Vätern. Familie heißt: Vielfalt. Aber wie können in dieser Vielfalt alle glücklich werden? Wie passen Kinder, Familienleben, Partnerschaft, Beruf, aber auch die ganz persönlichen Interessen unter einen Hut? Ich glaube, wir müssen aus diesen unterschiedlichen  Anforderungen den Druck rausnehmen.

Wir werden es niemals schaffen, allen Bereichen gleich gut gerecht zu werden – zumindest nicht zur selben Zeit. Zu manchen Zeiten steht vielleicht der Beruf weiter vorn, in anderen der Alltag mit den Kindern oder die Partnerschaft. Mehr Gelassenheit und den, Mut nicht immer alles perfekt und sofort zu schaffen zu müssen! Das ist ein Motto, mit dem ich mich gut anfreunden kann. Heute, am Internationalen Tag der Familie, ganz besonders.

 

Vor zehn Jahren ging das soziale Netzwerk online - ein persönlicher Geburtagsgruß

Happy birthday, facebook!


Klaus Stevens/pixelio.de

Vor zehn Jahren ging das ursprünglich als Uniprojekt gedachte Portal erstmals online – und zählt mittlerweile über 1 Milliarde Nutzerinnen und Nutzer. Marc Zuckerberg, damals als 20-jähriger Student an der Harvard University eingeschrieben, wurde mit seiner Erfindung im Laufe der Zeit zu einem der jüngsten Milliardäre der Geschichte. Die Plattform ist zurzeit an der Börse rund 150 Milliarden US-Dollar wert. Doch welches Geheimnis – und welche Faszination – steckt eigentlich hinter dem Giganten „facebook“?
Die Frage kann ich mir selbst beantworten.

Mein „facebook“ Konto existiert seit dem 30. August 2007. Es war während meiner Studentenzeit in Toronto und ich wurde seit geraumer Zeit von mehreren meiner internationalen Kommilitonen  in regelmäßigen Abständen gefragt, wie und warum ich auf „facebook“ verzichte – ich würde schließlich etwas verpassen und „jede/r“ wäre dort: „facebook“ war in aller Munde! Weiterlesen »

 

„Deutschland misshandelt seine Kinder“: ein Ärgernis

Ein Buch auf Stammtisch-Niveau


DKSB / Susanne Tessa Müller

DKSB / Susanne Tessa Müller

„Deutschland misshandelt seine Kinder“, heißt ein druckfrisches Buch, das ich am Wochenende gelesen habe. Leider, muss ich sagen, denn es hat mir die Laune gründlich verdorben! Auf 254 Seiten schildern Michael Tsokos und Saskia Guddat, wie aus ihrer rechtsmedizinischen Sicht das deutsche Kinder- und Jugendsystem „versagt“.
Natürlich ist das Thema „misshandelte Kinder“ wichtig und schockierend und muss öffentlich diskutiert werden. Das Autorenteam schildert krasse Einzelfälle, aus denen man sicherlich lernen kann. Aber die Jugendhilfe derart pauschal zu verunglimpfen – das empört mich. Das Buch zeichnet ein schwarz-weißes Bild der Wirklichkeit, das einfach so nicht zutrifft. Die Gerichtsmedizin mache sich zu „Anwälten der gepeinigte Kinder“, während alle anderen überfordert oder ohne echtes Interesse wegsehen. Die Fakten werden hier in höchstem Maße platt verdreht und verzerrt. Ärgerlich!

Gerade in Nordrhein-Westfalen arbeiten im Kinderschutz unterschiedliche Berufsgruppen zusammen und sehen sich als „Verantwortungsgemeinschaft“. Natürlich müssen die Standards im Sinne der Kinder noch weiter verbessert werden, keine Frage. Aber das, was das Autorenteam auf Stammtisch-Niveau fordert, gehört hier längst zum Alltag im Kinderschutz. Dieses Buch trägt kaum dazu bei, die unterschiedlichen Berufsgruppen, die mit Kindeswohlgefährdungen zu tun haben, zusammenzubringen. Im Gegenteil: Es macht die Gräben zwischen den Professionen tiefer. Das verschafft den Autoren jede Menge Aufmerksamkeit, hilft den Kindern aber kein Stück weiter.

 

Verfahren gegen Jugendamtsmitarbeiterin im Fall „Anna“ eingestellt

Die Verantwortung liegt auf vielen Schultern


Lupo/pixelio.de

Lupo/pixelio.de

Darüber werden sich sicherlich einige Stammtisch-Runden heftig aufgeregt haben. Der Prozess gegen die Jugendamtsmitarbeiterin im Fall „Anna“ ist eingestellt worden. Das neunjährige Pflegekind war vor rund dreieinhalb Jahren von seiner Pflegemutter misshandelt und getötet worden. Die zuständige Sozialpädagogin beim Jugendamt Königswinter soll ihre Pflichten verletzt und Urkunden manipuliert haben. Ihre Schuld wiegt aber nicht schwer. Deshalb hat sich der zuständige Richter am Landgericht Bonn dazu entscheiden, das Verfahren einzustellen. Die Jugendamtsmitarbeiterin muss jetzt eine Geldbuße von 2000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen.
Wirklich nachvollziehbar finde ich das nicht. Wer nicht schuldig ist, braucht eigentlich auch keine Geldbuße zu zahlen. Wirklich tragisch finde ich aber, dass die Zusammenhänge im Jugendamt selbst nicht hinreichend aufgeklärt wurden. Die Mitarbeiterin ist nicht allein verantwortlich, stellte das Gericht fest. Aber gerade das ist der Knackpunkt: Schließlich ist es ja wichtig zu wissen, welche unglücklichen Umstände dazu geführt haben, dass niemand Anna früher aus ihrer Pflegefamilie herausnahm. Was meinen Sie zu dem Fall? Wir sind neugierig auf Ihre Kommentare.

 

Über eine Million Kinder sind aus Syrien in die Nachbarländer geflohen

Der Krieg steckt im Körper und der Seele


DKSB/Susanne Tessa Müller

DKSB/Susanne Tessa Müller

Eine Zahl hat mich in den vergangenen Tagen ziemlich aufgeschreckt: Mehr als eine Million Kinder sind aus Syrien in die Nachbarländer geflohen. Ein entsprechender Bericht des Flüchtlingshilfswerks UNHCR liegt jetzt vor. Die allermeisten Jungen und Mädchen sind jünger als zwölf Jahre. Viele von ihnen haben einen Elternteil verloren und leben jetzt verängstigt und traumatisiert in den Flüchtlingslagern im Libanon, der Türkei oder Ägypten. „Die Generation Unschuldiger darf nicht einfach vergessen werden“, heißt es in einer Nachrichtensendung im Fernsehen. Aber wie? Hätte Ihrer Ansicht nach die Bundespolitik Möglichkeiten einzugreifen? Wir sind gespannt auf Kommentare.

 

LBS-Kinderbarometer: Bereits Kinder denken an Schönheitsoperationen

Ich bin hübsch – oder doch nicht?


© Martin Büdenbender/pixelio.de

Stars wie Rihanna und Justin Bieber sind ihre Vorbilder – und genau wie sie würden viele Kinder und Jugendliche auch gerne aussehen. Immerhin 14 Prozent der 9- bis 14-Jährigen haben sogar schon mal über eine Schönheitsoperation nachgedacht. Das ist ein Ergebnis des LBS-Kinderbarometers, das heute veröffentlicht wurde.  Zwei Prozent der befragten 10.000 Kinder denken oft oder sogar sehr oft daran, ihr Aussehen verändern zu lassen.
Am häufigsten würden sich die Kinder und Jugendlichen Fett absaugen lassen (52%), danach folgen die Behandlung von Hautunreinheiten (31 %) und die Operation der Nase (23 %).
Das erinnert mich doch sehr an Sendungen wie „Germany´s next top model“, wo die Teilnehmerinnen immer makellos aussehen. Sie sind immer frisch geschminkt und frisiert und haben kein Gramm Fett zu viel. Dieses Bild bleibt dem jungen Publikum natürlich im Kopf. Weiterlesen »