Archiv zum Thema "Kinderschutz"

Das Internet liefert bei der Suche nach der Terrorgruppe Islamischer Staat unfassbar grausame Bilder

Nicht auszuhalten: Enthauptungen im Internet


(c) CFalk/pixelio.de

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Wer im Internet nach Bildern der Terrorgruppe Islamischer Staat sucht, bekommt blutige Grausamkeiten zu sehen: Männer, denen die Köpfe abgeschlagen wurden. Schreiende Kleinkinder, auf die mehrere Gewehre gerichtet sind. Menschen, die massenhaft erschossen wurden. Solche realen Gewaltdarstellungen gehören zu den ersten Ergebnissen der großen Suchmaschinen und sind in wenigen Mausklicks erreichbar – nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder und Jugendliche. Und hier liegt das besondere Problem: Kinder nehmen die schreckliche Realität anders als Erwachsene auf und brennen Gesehenes in ihren Emotionen ein – still und nachhaltig oder auch laut und voller Wut.

Aus gutem Grund sind in Deutschland bestimmte Darstellungen in Filmen und Computerspielen entweder ganz verboten oder offiziell erst ab 18 Jahren erlaubt. Ob diese gesetzlichen Regelungen im Einzelfall immer greifen, ist ein anderes Problem. Aber was ist, wenn die Wirklichkeit grausamer ist als jeder Horrorschocker? Unterliegen diese Bilder dann nicht ähnlichen Regeln? Ich meine: ja. Darauf macht auch Irene Johns, Vorsitzende des DKSB Landesverbandes Schleswig-Holstein, aufmerksam. Sie forderte in einem Offenen Brief Google auf, diese grausamen und menschenverachtenden Gewaltdarstellungen zu sperren. Ein sinnvoller Appell, finde ich. Weiterlesen »

 

Verfahren gegen Jugendamtsmitarbeiterin im Fall „Anna“ eingestellt

Die Verantwortung liegt auf vielen Schultern


Lupo/pixelio.de

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Darüber werden sich sicherlich einige Stammtisch-Runden heftig aufgeregt haben. Der Prozess gegen die Jugendamtsmitarbeiterin im Fall „Anna“ ist eingestellt worden. Das neunjährige Pflegekind war vor rund dreieinhalb Jahren von seiner Pflegemutter misshandelt und getötet worden. Die zuständige Sozialpädagogin beim Jugendamt Königswinter soll ihre Pflichten verletzt und Urkunden manipuliert haben. Ihre Schuld wiegt aber nicht schwer. Deshalb hat sich der zuständige Richter am Landgericht Bonn dazu entscheiden, das Verfahren einzustellen. Die Jugendamtsmitarbeiterin muss jetzt eine Geldbuße von 2000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen.
Wirklich nachvollziehbar finde ich das nicht. Wer nicht schuldig ist, braucht eigentlich auch keine Geldbuße zu zahlen. Wirklich tragisch finde ich aber, dass die Zusammenhänge im Jugendamt selbst nicht hinreichend aufgeklärt wurden. Die Mitarbeiterin ist nicht allein verantwortlich, stellte das Gericht fest. Aber gerade das ist der Knackpunkt: Schließlich ist es ja wichtig zu wissen, welche unglücklichen Umstände dazu geführt haben, dass niemand Anna früher aus ihrer Pflegefamilie herausnahm. Was meinen Sie zu dem Fall? Wir sind neugierig auf Ihre Kommentare.

 

Vater aus Mönchengladbach soll Baby fast zu Tode geschüttelt haben

Wohin mit der Wut?


© Erich Kasten/Pixelio.de

Manche Dinge kenne ich in der Theorie sehr gut. Wenn ich ihnen dann aber im wirklichen Leben begegne, bin ich dennoch schockiert. So wie heute Morgen, als ich die Nachrichten gelesen habe. Ein junger Vater in Mönchengladbach soll sein weinendes Baby fast zu Tode geschüttelt haben. Der fünf Monate alte Junge schwebt mit schweren Hirnverletzungen in Lebensgefahr. Über den Fall und die familiären Hintergründe weiß ich nur das, was die Medien vermeldet haben: Der Mann habe sein weinendes Kind nicht beruhigen können, während die Mutter nicht zu Hause war. Als das Kind bewusstlos wurde, hat dann wohl ein Nachbar den Notarzt gerufen. Weiterlesen »

 

Schockierende Schlagzeilen über die DKSB Vergangenheit

Pädosexuelle und der Kinderschutzbund


© Hans Dieter Volz/pixelio.de

Ich konnte die Meldungen nicht fassen. „Pädophile wollten auch Kinderschutzbund unterwandern“: So oder ähnlich titelten am Sonntag diverse Medien, und ich war wie viele andere wie vor den Kopf geschlagen. Der langjährige DKSB Präsident, Walter Bärsch, war offenbar Gründungsmitglied eines „pädophilenfreundliche“ Arbeitskreises, so die Recherchen eines Göttinger Forscherteams. Und auch die Verbandszeitschrift „Kinderschutz aktuell“ veröffentlichte in einer Ausgabe 1985 Artikel, die für Pädosexualiät warben.

Das kann doch nicht wahr sein – das war bei vielen die erste Reaktion. Und jetzt? DKSB Präsident Heinz Hilgers kündigte eine unabhängige Untersuchung an. Schonungslose Aufklärung: Das ist wohl das Mindeste, was der Verband jetzt tun kann. Denn dass Menschen beim Begriff „Kinderschutzbund“ auch an „Pädophile“ denken, ist unerträglich. Ich finde, dass nach der Untersuchung unbedingt Klartext geredet werden muss. Eins ist aber schon jetzt klar: In den letzten zwei Jahrzehnten hat der DKSB in vielen Veröffentlichungen und Projekten sich klar und deutlich positioniert: Sex mit Kindern ist sexualisierte Gewalt der übelsten Form!

Was meinen Sie? Was ist aus Ihrer Sicht jetzt wichtig – für den DKSB und für möglicherweise betroffenen Kinder und Jugendliche?

 

Sexualisierte Gewalt im Sportverein: ein Beispiel aus dem Rheinland

Wenn das Fußballtraining Bauchschmerzen macht


Rainer Sturm/PIXELIO.de

Umarmungen nach einem gewonnenen Spiel oder einem anderen erfolgreichen Wettkampf sind im Sportverein total normal. Ohne Körperkontakt und anschließendes Duschen ist ein Trainingsalltag kaum denkbar. Für viele Kinder und Jugendliche ist es wichtig, zur Mannschaft zu gehören, und zur Trainerin oder dem Trainer haben sie ein enges Vertrauensverhältnis. Ein idealer Nährboden für eine erfüllte Freizeit und sportliche Erfolge. Diese besondere Nähe birgt auf der anderen Seite aber auch das Risiko für sexuellen Missbrauch.Theoretisch weiß ich das schon lange. Aber erst letzte Woche habe ich wirklich verstanden, was sexualisierte Gewalt im Alltag von Sportvereinen bedeuten kann – und war sprachlos. Ein Fußballtrainer im Rheinland fasst Jungen aus seiner Mannschaft unsittlich an, schaut ihnen beim Duschen zu und macht obszöne Bemerkungen. Er fliegt aus dem Verein und macht bei einem anderen Club in derselben Stadt weiter. Dort zeigen ihn zahlreiche Eltern wegen sexueller Übergriffe an. Er wird strafrechtlich verurteilt; seine Freiheitsstrafe wird allerdings zur Bewährung ausgesetzt. Eine der Bewährungsauflagen lautet: Er darf keinen Zugang zu Kindern bekommen.Dennoch versucht der Trainer weiter, wieder in einem Fußballverein unterzukommen – und schafft es schließlich in einer benachbarten Großstadt.

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Kinder und Jugendliche bekommen mehr Medikamente verschrieben

Tabletten schlucken löst keine Probleme


Sara Hegewald/PIXELIO

© Sara Hegewald/PIXELIO

Zeitung lesen bildet – und manchmal macht es mich auch richtig ärgerlich. Zum Beispiel die Nachricht, dass Kindern und Jugendlichen immer mehr Medikamente ohne medizinischen Grund verschrieben werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie einer großen Krankenkasse. Besonders alarmierend ist aus meiner Sicht die deutlich steigende Zahl von Kindern, die mit Antipsychotika ruhig gestellt werden. Diese Medikamente werden heute wesentlich häufiger verschrieben als noch vor einigen Jahren.

Das muss uns als Mutter, Vater und als Gesellschaft aufrütteln. Vor allem beschäftigt mich die Frage nach dem Grund. Sind die Kinder heute seelisch verletzbarer, zappeliger oder gar trauriger als früher? (Einen Hinweis darauf liefert die Elefanten-Kindergesundheitsstudie aus dem vergangenen Jahr. Demnach leiden bereits Kinder in der Grundschule unter Stress.) Oder stellen Ärztinnen und Ärzte schwierige Kinder und Jugendliche mit Tabletten ruhig? Wir brauchen eine differenzierte Analyse, um diese Frage zufriedenstellend zu beantworten. Denn eins ist klar: Kinder brauchen gesunde Lebensbedingungen und Menschen, die Verständnis, Wertschätzung und einen klaren Kopf für sie und ihre Interessen und Nöte haben. Medikamente lösen langfristig keine Probleme – und machen Kinder und Jugendliche mit Sicherheit nicht dauerhaft zufriedener.

 

Diskussion zur „Beschneidung von Jungen“ war lang und wertvoll

Aufklärung statt Strafe


© Thommy Weiss/PIXELIO

Das Thema „Beschneidung von Jungen“ ist mir nicht fremd. Denn verbunden mit dem Kölner Urteil im letzten Sommer wurde der Kinderschutzbund von verschiedenen Seiten zu seiner Position dazu gefragt. Infolgedessen habe ich es von allen möglichen Seiten betrachtet, viel darüber gelesen und mit vielen verschiedenen Menschen darüber diskutiert.Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – habe ich am Samstag eine Debatte miterlebt, nach der ich vieles noch mal klarer sehe. Die Diskussion zur Beschneidung von Jungen nahm den größten Raum der inhaltlichen Beratung bei der DKSB Bundesmitgliederversammlung in München ein. Anlass des regen und sachlichen Meinungsaustauschs war ein Antrag des Ortsverbandes Hildesheim, der darauf abzielte, religiöse Beschneidungen von Jungen unter Strafe zu stellen. Das halte ich für kein geeignetes Mittel, Eltern dazu zu bringen, auf die Beschneidung von noch nicht zustimmungsfähigen Jungen zu verzichten – und die Mehrheit der Delegierten auch.

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Berührungsverbote sind keine angemessene Prävention vor sexualisierter Gewalt

Kinder sehnen sich nach Umarmungen


Rolf van Melis/PIXELIO

Kinder brauchen körperliche Nähe zum gesunden Großwerden. Sie lieben es zu raufen und zu toben. Sie setzen sich beim Vorlesen gern auf den Schoß und schmiegen sich an. Sie sind darauf angewiesen, in den Arm genommen und getröstet zu werden, wenn es ihnen nicht gut geht. All das brauchen Jungen und Mädchen, um sich geliebt und ernst genommen zu fühlen – ob zu Hause, in der Kindertagesstätte oder im Kinderheim.

Viele Fachkräfte fürchten sich aber davor, in den Verdacht der sexualisierten Gewalt zu geraten, wenn sie Kindern körperlich nah kommen. Die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle in Institutionen haben zu einer großen Verunsicherung geführt. Vermehrt sprechen Einrichtungen wie Heime oder Kitas in der letzten Zeit „Berührungsverbote“ aus.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen Kinder etwa nicht mehr auf den Schoß oder in den Arm nehmen – damit niemand auf den Gedanken kommt, in dieser Einrichtung käme es zu Grenzverletzungen. Das ist eine Entwicklung, die in die völlig falsche Richtung geht. Natürlich müssen Kinder auch im Heim oder der Kita Körperkontakt erfahren dürfen, wenn sie das Bedürfnis danach haben. Ein freundschaftliches Drücken oder eine heimelige Vorlesezeit auf dem Schoß ist ihnen wichtig und lehrt sie, Vertrauen in die Welt und die Mitmenschen zu haben. Weiterlesen »

 

Herausforderungen stärken den Zusammenhalt in der Familie

Was ein Spaziergang mit Kinderschutz zu tun hat


© Steffen Hellwig/PIXELIO


Kinderschutz fängt manchmal schon ganz klein an. Das ist mir gestern beim Laufen noch mal klar geworden. Es war früher Abend – sonnig, aber eiskalt – und ich joggte am Ufer eines Sees entlang. Dabei überholte ich eine Mutter mit Kinderwagen, die an diesem „Frühlingsabend“ mit Winterjacke und dickem Schal spazieren ging. Ihr Kleinkind im Buggy hatte sie warm eingepackt – mit hochgeschlossenem Fußsack und Wollmütze. Beide hatten rote Wangen und sahen sehr zufrieden aus.

Irgendwie hat mich diese Szene berührt, vielleicht weil sie eine Art Symbol für den Alltag ist. Auch wenn die äußeren Bedingungen nicht einfach sind, können Familien gemeinsam etwas erleben. Gemeinsam dem Wetter trotzen: Herausforderungen schweißen zusammen – vor allem dann, wenn sich Eltern so liebevoll um ihre Kinder kümmern, wie es die Mutter gestern am See getan hat.

 

Erzieherin in Herne soll Kindergartenkinder misshandelt haben

Träger schwieg zu lange


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Es ist ein Skandal, der sich da in einem Kindergarten in Herne abgespielt hat. Schlimm genug, dass eine Erzieherin Kinder ihrer Gruppe über einen langen Zeitraum misshandelt haben soll. Diese seien gefesselt und eingesperrt worden und hätten ihr eigenes Erbrochenes essen müssen, so die schweren Vorwürfe. Wenn das stimmt, ist das unfassbar.

Aber wirklich empörend finde ich, wie der katholische Träger des Kindergartens reagierte – nämlich sehr lange erstmal gar nicht. Es ist kaum zu glauben, dass die Eltern erst über einen Monat, nachdem Kita-Personal die Vorwürfe in einem Brief geäußert hatte, darüber informiert wurden. Eltern müssen wissen, was mit ihrem Kind passiert – schon allein, um entscheiden zu können: Will ich meinen Sohn oder meine Tochter weiterhin in die Obhut dieser Einrichtung geben oder nicht? In der Zeitung standen verschiedene Gründe, warum das alles so lange gedauert hat. Die kann ich schwer nachvollziehen. Weiterlesen »