Archiv zum Thema "Rechte von Kindern"

Eindrücke vom gestrigen Werkstattgespräch zur Väterarbeit in der Weststadthalle in Essen

Väter sind wichtiger als sie denken


(c) D. Dörfel/pixelio.de

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Doch viele Väter wissen nicht, welche Bedeutung sie für ihre Kinder haben – gerade dann, wenn sie selbständiger werden.

Was sagt die Forschung dazu?
Gestern brachten uns in einem Werkstattgespräch zur Väterarbeit in der Weststadthalle in Essen die Vorträge von Dr. Andreas Eichhorn vom Deutschen Jugendinstitut und Prof. Peter Zimmermann von der Universität Wuppertal auf den neuesten Stand der Väterforschung.

Neuere Erkenntnisse belegen: Der Einsatz von Vätern bei Versorgung, Spiel und Erziehung von kleinen Kindern hat positive Folgen. Die meisten davon zeigen sich aber erst zeitverzögert. Weiterlesen »

 

Impulspapier "Uneingeschränkte Rechte für junge Flüchtlinge" war Thema im Landtagsausschuss

Es zählt nicht, was Kinder und Jugendliche brauchen


(c) DKSB/Susanne Tessa Müller

Gestern war ich bei der öffentlichen Sitzung des Landtagsausschusses für Familie, Kinder und Jugend. Auf der Tagesordnung stand die Beschäftigung mit dem Impulspapier zur UN-Kinderrechtskonvention der Freien Wohlfahrtspflege NRW „Uneingeschränkte Rechte für junge Flüchtlinge“. Dieses Impulspapier wird von 16 Fach- und Kinder- und Jugendverbänden unterstützt. Es fordert im Wesentlichen die Umsetzung der Vorgaben der UN-Kinderrechtekonvention in Nationales Recht, konzentriert sich dabei aber auf die Möglichkeiten der Landesebene. Junge Flüchtlinge sind nämlich in Deutschland nicht in erster Linie Kinder und Jugendliche, sondern „Ausländer“, für die die Voraussetzungen im Ausländer, Asyl- und Asylverfahrensrecht gelten.

Auch wenn es einen parteiübergreifenden Konsens zu geben scheint, dass sich die Lebenssituation junger Flüchtlinge in NRW verbessern muss, sie eine sicherere Aufenthaltsperspektive haben sollten und damit auch einen besseren Zugang zu Ausbildung, Beruf, gesundheitlicher und psychosozialer Versorgung, so schränken die gesetzlichen Gegebenheiten gerade dies immer noch erheblich ein oder machen manches gar unmöglich. Und das gilt sowohl für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge wie für Flüchtlingskinder, die mit ihren Familien hierher gekommen sind. Weiterlesen »

 

Heute ist der Internationale Tag der Familie

Mehr Mut zum Unperfektsein


Gisela Peter/pixelio.de

Gisela Peter/pixelio.de

Familie: Hier lernen Kinder, sich zu streiten und sich wieder zu vertragen. Sie erfahren Fürsorge, Nähe, Zuspruch und das gute Gefühl „Hier gehöre ich hin“. Für viele Kinder ist ihre Familie das Wichtigste überhaupt. Um an diese zentrale Stellung der Familie zu erinnern, haben die Vereinten Nationen den Internationalen Tag der Familie ausgerufen. 1994, vor genau zehn Jahren, wurde er zum ersten Mal begangen.„Wozu denn das?“, mögen sich manche fragen. Weil das Leben in einer Familie alles andere als einfach ist. Die Anforderungen an Familien sind in den vergangenen Jahren enorm gewachsen, weil sich die gesellschaftlichen Verhältnisse gewandelt haben.

Wir als Deutscher Kinderschutzbund schauen natürlich besonders auf die Situation der Kinder. Denn Familien sind alle Lebensformen mit Kindern – ob mit beiden Elternteilen, mit einer Mutter oder zwei Vätern. Familie heißt: Vielfalt. Aber wie können in dieser Vielfalt alle glücklich werden? Wie passen Kinder, Familienleben, Partnerschaft, Beruf, aber auch die ganz persönlichen Interessen unter einen Hut? Ich glaube, wir müssen aus diesen unterschiedlichen  Anforderungen den Druck rausnehmen.

Wir werden es niemals schaffen, allen Bereichen gleich gut gerecht zu werden – zumindest nicht zur selben Zeit. Zu manchen Zeiten steht vielleicht der Beruf weiter vorn, in anderen der Alltag mit den Kindern oder die Partnerschaft. Mehr Gelassenheit und den, Mut nicht immer alles perfekt und sofort zu schaffen zu müssen! Das ist ein Motto, mit dem ich mich gut anfreunden kann. Heute, am Internationalen Tag der Familie, ganz besonders.

 

Oberlandesgericht Hamm entscheidet: Sechsjähriger darf nicht beschnitten werden

Im Zweifel für das Kind


© Michael Grabscheit/pixelio.de

Eine Mutter aus Dortmund darf ihren sechsjährigen Sohn vorerst nicht beschneiden lassen. Das hat das Oberlandesgericht Hamm kürzlich entschieden. Die aus Kenia stammende Frau wollte den Jungen nach den kulturellen Riten ihres Heimatlandes beschneiden lassen. Der geschiedene Vater des Kindes ist dagegen – und hatte dagegen geklagt. Das Urteil konkretisiert die Beschneidungsvorschrift, die im vergangenen Jahr in das Bürgerliche Gesetzbuch aufgenommen worden war (§ 1631 d)

Interessant und erfreulich ist die Begründung des Gerichts: Der Junge sei nicht angemessen beteiligt worden, so das Hauptargument des Gerichts. Die Wünsche des Kindes müssten sowohl von den Eltern als auch vom Arzt zu berücksichtigt werden – und dazu sei es im Dortmunder Fall nicht gekommen. Außerdem befürchtet das Gericht, dass eine Beschneidung das psychische Wohl des Kindes beeinträchtigt, weil die Mutter ihren Sohn nicht zum Eingriff begleiten will.

 

 

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Kinder und Jugendliche bekommen mehr Medikamente verschrieben

Tabletten schlucken löst keine Probleme


Sara Hegewald/PIXELIO

© Sara Hegewald/PIXELIO

Zeitung lesen bildet – und manchmal macht es mich auch richtig ärgerlich. Zum Beispiel die Nachricht, dass Kindern und Jugendlichen immer mehr Medikamente ohne medizinischen Grund verschrieben werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie einer großen Krankenkasse. Besonders alarmierend ist aus meiner Sicht die deutlich steigende Zahl von Kindern, die mit Antipsychotika ruhig gestellt werden. Diese Medikamente werden heute wesentlich häufiger verschrieben als noch vor einigen Jahren.

Das muss uns als Mutter, Vater und als Gesellschaft aufrütteln. Vor allem beschäftigt mich die Frage nach dem Grund. Sind die Kinder heute seelisch verletzbarer, zappeliger oder gar trauriger als früher? (Einen Hinweis darauf liefert die Elefanten-Kindergesundheitsstudie aus dem vergangenen Jahr. Demnach leiden bereits Kinder in der Grundschule unter Stress.) Oder stellen Ärztinnen und Ärzte schwierige Kinder und Jugendliche mit Tabletten ruhig? Wir brauchen eine differenzierte Analyse, um diese Frage zufriedenstellend zu beantworten. Denn eins ist klar: Kinder brauchen gesunde Lebensbedingungen und Menschen, die Verständnis, Wertschätzung und einen klaren Kopf für sie und ihre Interessen und Nöte haben. Medikamente lösen langfristig keine Probleme – und machen Kinder und Jugendliche mit Sicherheit nicht dauerhaft zufriedener.

 

18-jährige auf Spielplatz tödlich verunglückt - Die Frage hinter der Schlagzeile:

Wo treffen sich Jugendliche?


© Monika Oumard/PIXELIO

 

Vielleicht haben Sie das auch in der Zeitung gelesen: Eine 18-Jährige wurde am Sonntag in Datteln auf einem Spielplatz von einem Schaukelpfeiler erschlagen. Sie pendelte gemeinsam mit zwei ebenfalls erwachsenen Freunden auf der Tellerschaukel hin und her, als einer der Holzpfeiler umstürzte und die junge Frau tödlich verletzte. Die Nachricht an sich hat mich wie viele andere auch natürlich sehr schockiert.

Zunächst einmal stellt sich jetzt die Frage nach der Sicherheit auf den Spielplätzen. Auf den zweiten Blick geht es für mich aber auch darum, wer die Spielplätze eigentlich nutzt. Das sind Kinder unterschiedlichen Alters, klar. In den späten Nachmittags- und Abendstunden treffen sich aber auch Jugendliche neben Sandkasten und Piratenschiff, um dort gemeinsam ihre Zeit zu verbringen. Davon zeugen mancherorts leere Flaschen und Zigarettenkippen in den Abfalleimern und häufig auch neben den Bänken. Das führt zu Spannungen, keine Frage. Weiterlesen »

 

Beteiligungsprojekt des Landesverbandes: Kinder arbeiten an Broschüren mit

Wer nicht fragt, bleibt dumm


© Ralf Bille

Es war einmal… da waren Erwachsene selber mal Kinder. Deshalb glauben viele von ihnen zu wissen, was für Kinder gut ist. Was sie essen oder anziehen sollten, was sie gerne spielen oder lesen sollten. Mit der Wirklichkeit hat das manchmal gar nichts zu tun. Das ist mir letztens in Köln noch mal klar geworden. Da haben Grundschüler in Köln-Zündorf in einem Workshop der Moderatorin Andrea Herrmann (Foto) erzählt, was sie über Stress denken, welche Tricks sie dagegen kennen – und was sie gerne über Stress lesen würden. Das hatte mit dem, was ich mir vorher überlegt hatte, nicht viel zu tun. Denn Kindern sind Dinge wichtig, an die Erwachsene zunächst einmal gar nicht denken…

Kinder sollten so oft wie möglich nach ihrer Meinung gefragt und an Entscheidungen beteiligt werden. Das ist eine der Grundüberzeugungen des Deutschen Kinderschutzbundes. Dahinter steckt natürlich viel Aufwand, aber es lohnt sich. Bei drei Kinder-Broschüren zu den Themen Stress, Trennung der Eltern und Gewalt in der Familie beteiligt unser Landesverband Jungen und Mädchen und arbeitet ihre Wünsche und Ideen mit ein. Möglich wird das durch eine 50.000 Euro-Spende der Sparda-Bank West. Damit finanzieren wir unter anderem die Workshops, bei der sich die Kinder auf kreative und spielerische Weise auch zu schwierigen Themen äußern.
Besonders gespannt bin ich auf morgen. Da geht es an einer Grundschule in Essen darum wie es ist, wenn die Eltern nicht mehr zusammenleben. In der Familie, in der Kindertagesstätte, in der Schule oder im Sportverein – eigentlich sollten Jungen und Mädchen viel öfter nach dem gefragt werden, was sie eigentlich wollen. Oder ist das utopisch und macht viel mehr Arbeit, als wir eigentlich leisten können?

Weitere Infos zu den DKSB Kinderworkshops finden Sie hier.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Beteiligung von Kindern gemacht? Glauben Sie, dass Kinder im Alltag genug beteiligt werden? Oder gehen solche Wünsche am Alltag der Menschen vorbei? Wir freuen uns über Kommentare!

 

Diskussion zur „Beschneidung von Jungen“ war lang und wertvoll

Aufklärung statt Strafe


© Thommy Weiss/PIXELIO

Das Thema „Beschneidung von Jungen“ ist mir nicht fremd. Denn verbunden mit dem Kölner Urteil im letzten Sommer wurde der Kinderschutzbund von verschiedenen Seiten zu seiner Position dazu gefragt. Infolgedessen habe ich es von allen möglichen Seiten betrachtet, viel darüber gelesen und mit vielen verschiedenen Menschen darüber diskutiert.Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – habe ich am Samstag eine Debatte miterlebt, nach der ich vieles noch mal klarer sehe. Die Diskussion zur Beschneidung von Jungen nahm den größten Raum der inhaltlichen Beratung bei der DKSB Bundesmitgliederversammlung in München ein. Anlass des regen und sachlichen Meinungsaustauschs war ein Antrag des Ortsverbandes Hildesheim, der darauf abzielte, religiöse Beschneidungen von Jungen unter Strafe zu stellen. Das halte ich für kein geeignetes Mittel, Eltern dazu zu bringen, auf die Beschneidung von noch nicht zustimmungsfähigen Jungen zu verzichten – und die Mehrheit der Delegierten auch.

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SAT 1 startet im April mit einer Casting-Show für Kinder

“The Voice Kids” – auf zum nächsten Flop


© Benjamin Thorn/PIXELIO

Nach dem Flop von „DSDS Kids“ (RTL) im vergangenen Frühjahr versucht nun auch Sat1 sein Glück mit den „süßen Kleinen“. Am 5. April startet der Sender sein Casting-Format für junge Sängerinnen und Sänger zwischen 8 und 14 Jahren. Als „Coach“ mit dabei ist unter anderem Lena Meyer-Landrut. Sie und ihre Kollegen Tim Bendzko und Henning Wehland entscheiden dann mit dem Rücken zu den Kandidaten nach ihrem Hör-Eindruck, wen sie in ihrem Team haben möchten und wen nicht. Dann treten die Kinder in „Battle-Shows“ gegeneinander an.

Ich befürchte, dass „The Voice Kids“ eine ähnlich überflüssige Produktion ist wie „DSDS Kids“. Denn dabei geht es nicht darum, was für Kinder gut ist, sondern wie SAT 1 möglichst gute Quoten erreicht und zahlungskräftige Werbekunden gewinnt.Es ist ja schon für Erwachsene schwierig, sich auf Kommando zu präsentieren. Für Kinder ist dieser Druck zu groß, finde ich – vor allem weil am Ende viele ihrem Gefühl nach verloren haben werden. Da kann die angekündigte Betreuung der Kinder hinter den Kulissen noch so gut sein. Jungen und Mädchen in eine Glamour-Welt zu bringen, in die sie nicht gehören, und sie dabei zu begleiten – das ist doch widersinnig. Und es geht auf die (seelischen) Kosten der Kinder.

Genauso fragwürdig ist der Internetauftritt von „The Voice Kids“. Die Werbung auf dieser Webseite ist „bestens“ platziert: Es gibt etwa einen SAT 1 Ratgeber „Fett weg mit Fett: So purzeln die Kilos trotz kalorienreicher Nahrung wie Mayo, Schokolade und Pommes.“
Das heißt also, wenn sich junge Mädchen für diese Casting-Show interessieren und sich eventuell dort bewerben möchten, stolpern sie zunächst über diesen Ratgeber, der erst einmal vermitteln muss, dass ihr kindlicher Körper nicht in Ordnung ist. Liebes Sat1 Team: Behaltet doch eure Diät-Tipps und am besten auch diese Casting-Show für Euch.

 

Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche gescheitert

Die Akten bleiben vorerst geschlossen – und jetzt?


Sie schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu – die katholische Kirche und das kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen. In allen Medien erklären beide Parteien, warum die wissenschaftliche Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche gescheitert ist. Von „Zensur“ ist da die Rede – und vom „zerrütteten Vertrauensverhältnis“ zwischen den Vertragspartnern.
Von außen ist es schwer auszumachen, wer tatsächlich schuld daran ist, dass Beweise für den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche vorerst weiter zwischen Aktendeckeln schlummern werden. Dennoch ist es ein Unding, dass diese so wichtige Forschungsarbeit verschoben wird – und offenbar noch im Anfangsstadium steckt. Bereits 2011 hatte der Kriminologe Christian Pfeiffer das Forschungsprojekt übernommen. Dass es jetzt immer noch Formalia geht, um den Vertrag und die Anlage der Studie, ist kaum nachvollziehbar. Kinder sind jahrzehntelang von Geistlichen missbraucht worden – und die Fakten und Beweise dazu müssen endlich ans Licht kommen. Sowohl das Forschungsinstitut als auch die Kirche wollen neue Projekte auf den Weg bringen, aber das kostet wieder – vor allem Zeit. Weiterlesen »