Erzieherin in Herne soll Kindergartenkinder misshandelt haben

Träger schwieg zu lange


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Es ist ein Skandal, der sich da in einem Kindergarten in Herne abgespielt hat. Schlimm genug, dass eine Erzieherin Kinder ihrer Gruppe über einen langen Zeitraum misshandelt haben soll. Diese seien gefesselt und eingesperrt worden und hätten ihr eigenes Erbrochenes essen müssen, so die schweren Vorwürfe. Wenn das stimmt, ist das unfassbar.

Aber wirklich empörend finde ich, wie der katholische Träger des Kindergartens reagierte – nämlich sehr lange erstmal gar nicht. Es ist kaum zu glauben, dass die Eltern erst über einen Monat, nachdem Kita-Personal die Vorwürfe in einem Brief geäußert hatte, darüber informiert wurden. Eltern müssen wissen, was mit ihrem Kind passiert – schon allein, um entscheiden zu können: Will ich meinen Sohn oder meine Tochter weiterhin in die Obhut dieser Einrichtung geben oder nicht? In der Zeitung standen verschiedene Gründe, warum das alles so lange gedauert hat. Die kann ich schwer nachvollziehen.

So sei die beschuldigte Mitarbeiterin krank und der zuständige Pfarrer in Urlaub gewesen. Ich kenne das kollegiale Klima in dieser Einrichtung natürlich nicht. Aber aus meiner Sicht hätte jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin die Pflicht gehabt, Hinweisen auf ein mögliches Fehlverhalten ihrer Kollegin nachzugehen, das Ausmaß einer Kindeswohlgefährdung zu prüfen, Fachkräfte des Kinderschutzes (Kinderschutzfachkraft) hinzuzuziehen und die Situationseinschätzung zeitnah einer fachlich visierten Trägervertretung zu melden. Gerade im Kinderschutz ist fachliches wie couragiertes Verhalten gleichermaßen richtig. Mit weiteren Schritten zu warten, bis ein verantwortlicher Trägervertreter wieder aus dem Urlaub zurück ist, wird der Situation der Kinder sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht gerecht.

Jeder Träger einer Kindertageseinrichtung braucht einen Plan, was im Falle einer möglichen Kindeswohlgefährdung durch das eigene Personal zu tun ist, und natürlich auch verbindliche Vertretungsregelungen. Und wir brauchen eine unabhängige Anlaufstelle, bei der sich Fachkräfte melden können, wenn sie in ihrer Arbeit mit Verdachtsfällen oder deutlichen Fällen von Gewalt, Grenzüberschreitungen, (sexuellem) Missbrauch, Belästigungen oder Verletzungen des Persönlichkeitsrechts konfrontiert werden und eine Abklärung ihrer Wahrnehmung im Vorfeld vornehmen möchten. Bei solch massiven Vorwürfen bzw. Verdachtsmomenten einfach abzuwarten, ist nicht hinnehmbar.

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