Willkommen auf FairQuer, dem Blog des Deutschen Kinderschutzbundes in NRW.
Wir verstehen uns als Lobby für Kinder in Nordrhein-Westfalen. Hier kommentieren, analysieren und diskutieren wir aktuelle Entwicklungen im Kinderschutz.

Impulspapier "Uneingeschränkte Rechte für junge Flüchtlinge" war Thema im Landtagsausschuss

Es zählt nicht, was Kinder und Jugendliche brauchen

(c) DKSB/Susanne Tessa Müller

Gestern war ich bei der öffentlichen Sitzung des Landtagsausschusses für Familie, Kinder und Jugend. Auf der Tagesordnung stand die Beschäftigung mit dem Impulspapier zur UN-Kinderrechtskonvention der Freien Wohlfahrtspflege NRW „Uneingeschränkte Rechte für junge Flüchtlinge“. Dieses Impulspapier wird von 16 Fach- und Kinder- und Jugendverbänden unterstützt. Es fordert im Wesentlichen die Umsetzung der Vorgaben der UN-Kinderrechtekonvention in Nationales Recht, konzentriert sich dabei aber auf die Möglichkeiten der Landesebene. Junge Flüchtlinge sind nämlich in Deutschland nicht in erster Linie Kinder und Jugendliche, sondern „Ausländer“, für die die Voraussetzungen im Ausländer, Asyl- und Asylverfahrensrecht gelten.

Auch wenn es einen parteiübergreifenden Konsens zu geben scheint, dass sich die Lebenssituation junger Flüchtlinge in NRW verbessern muss, sie eine sicherere Aufenthaltsperspektive haben sollten und damit auch einen besseren Zugang zu Ausbildung, Beruf, gesundheitlicher und psychosozialer Versorgung, so schränken die gesetzlichen Gegebenheiten gerade dies immer noch erheblich ein oder machen manches gar unmöglich. Und das gilt sowohl für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge wie für Flüchtlingskinder, die mit ihren Familien hierher gekommen sind. Weiterlesen …

 

Polizei-Statistiken zu Gewalt gegen Kinder

Hinschauen kostet nichts

(c) DKSB/Susanne Tessa Müller

(c) DKSB/Susanne Tessa Müller

Eigentlich nehme ich Zahlen nicht so ganz wichtig, weiß ich doch um ihre Begrenztheit. Oft sind sie für meinen Geschmack zu abstrakt und zu nüchtern. Aber kürzlich sind mir beim Nachrichtenhören einige Zahlen doch sehr unter die Haut gegangen. 153 Kinder sind im vergangenen Jahr in Deutschland getötet worden – entweder durch Mord, Tötung oder Körperverletzung. So steht es in der polizeilichen Kriminalstatistik. 4000 Kinder wurden misshandelt und über 13.000 Opfer eines sexuellen Missbrauchs.

Ich beschäftige mich seit über 19 Jahren mit dem Thema „Gewalt gegen Kinder“ und weiß daher, dass zahlreiche Kinder in der einen oder andere Weise von Gewalt betroffen sind. Aber wenn ich die Schicksale der Kinder so kondensiert präsentiert bekomme, bin ich doch immer noch betroffen. Hinzu kommt, dass ich   mir darüber im Klaren bin, dass gerade bei der sexualisierten Gewalt die  tatsächlichen Zahlen sehr viel höher sind als die Statistik vermuten lässt. Denn es ist von einer sehr hohen Dunkelziffer auszugehen. Weiterlesen …

 

Unser Landesverband und die Bildungsakademie BiS waren auf dem Jugendhilfetag in Berlin

Ins Schwarze getroffen

(c) Veranstalter

Veranstaltungen zu planen und zu organisieren gehört zu meiner täglichen Arbeit. Was daran wohl immer spannend bleibt, ist die Frage: Wie kommt das, was ich mir vorher gemeinsam mit den jeweiligen Referentinnen und Referenten überlegt habe, bei den Teilnehmenden an? Besonders neugierig war ich auf den Jugendhilfetag vergangene Woche in Berlin. Nach den drei Tagen auf dieser riesigen Messe kann ich sagen: Wir haben mit unserer Planung genau ins Schwarze getroffen.

Die drei Veranstaltungen, die die Bildungsakademie BiS organisiert hatte, waren ausnahmslos gut besucht. Warum sollen wir so bescheiden sein? Sie waren ein voller Erfolg. „Kann man so ein komplexes Thema überhaupt in einer Stunde behandeln?“, fragte eine Teilnehmerin vor dem Workshop „Gegen Machtmissbrauch in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe – Bausteine für eine gelingende Praxis in Kindertageseinrichtungen“. Man kann. Das haben die Referentinnen Martina Huxoll-von Ahn und Astrid Peter eindrucksvoll bewiesen. Besonders beeindruckt war ich vom Workshop „Der gesellschaftliche Schutzauftrag für Jugendliche“ mit Britta Discher und Prof. em. Dr Hans-Jürgen Schimke. Der Raum war für  30 Teilnehmende ausgelegt; es kamen aber doppelt so viele, die auf dem Boden saßen oder durch die offene Tür zuhörten. Und die angeregt und konstruktiv diskutiert haben. So etwas freut mich ungemein. Und wenn ich zaubern könnte, hätte ich natürlich für jeden Interessierten einen bequemen Stuhl organisiert.

Waren Sie auch beim Jugendhilfetag? Wie waren Ihre Erfahrungen? Wir freuen uns über Kommentare im Blog. Außerdem können Sie Ihre Meinung direkt auf die Website des Veranstalters schreiben.

Katrin Tönnissen ist die Leiterin der Bildungsakademie BiS.

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Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht Studie zum Mittagessen in den Kitas

Unausgewogen und zu viel Fleisch

Works-Fotostudio-IT-Bereich/pixelio.de

Works-Fotostudio-IT-Bereich/pixelio.de

Selten habe ich mich von den Radio-Nachrichten so bestätigt gefühlt wie heute Morgen. Der Kern der Meldung: Die Bertelsmann-Stiftung stellt dem Essen in Kindertagesstätten ein schlechtes Zeugnis aus. In fast der Hälfte der Kitas komme zu häufig Fleisch auf den Tisch; nur rund 10 Prozent der Kitas biete Obst in der empfohlenen Menge an. Ich kenne solche Gespräche über Bockwürstchen, Bolognesesoße und Hackbraten aus der Kita meines Sohnes nur zu gut. Die Leiterin meint, Fleisch gehöre zu einer ausgewogenen Ernährung dazu. Außerdem gebe es kaum andere Gerichte des Vertragscaterers, die ein Großteil der Kinder gerne isst. Das sehe ich ganz anders. Ein gutes vegetarisches Essen ohne Fleisch kann nicht wesentlich teurer sein als eines mit Fleisch. Ich finde, wir brauchen ganz klare Qualitätsstandards beim Kita-Essen. Das sieht auch Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, so. Er fordert bundesweit einheitliche Standards für das Essen, was da jeden Tag auf den Kita-Tisch kommt.Und Sie? Was denken Sie über das Mittagessen in den Kitas?

Die detaillierten Ergebnisse der Bertelsmann-Studie finden Sie hier

 

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Bundesmitgliederversammlung verabschiedet einstimmig Resolution zur Stärkung der Rechtsansprüche auf Frühe Hilfen

Gerechtere Startchancen für alle

DKSB/Susanne Tessa Müller

DKSB/Susanne Tessa Müller

Eigentlich hatte ich keinen Zweifel daran. Aber trotzdem bin ich froh, dass die Bundesmitgliederversammlung am Wochenende in Köln die Resolution zur Stärkung der Rechtsansprüche auf Frühe Hilfen verabschiedet hat. Für seine fachpolitische Lobbyarbeit hat sich der Deutsche Kinderschutzbund vorgenommen, eine bessere Verankerung der Frühen Hilfen zu erreichen. Bisher war die Umsetzung in Deutschland ja sehr ungleichmäßig und sehr ungerecht verteilt. Ob und in welchem Maße die Hilfen, die im Bundeskinderschutzgesetz festgeschrieben sind, ausgezahlt werden, ist sehr stark davon abhängig, wie viele Mittel die Städte und Gemeinden dafür zur Verfügung stellen können.

Das führt zu einer großen Ungleichheit und widerspricht damit dem grundgesetzlichen Auftrag, gleiche Lebensbedingungen für alle Kinder in unserem Land zu schaffen. Wir hoffen, dass wir mit der Resolution vom Wochenende einen Anstoß zur Veränderung bewirken können. Weil der Kinderschutzbund gerade den Frühen Hilfen, die meist präventiv wirken, große Bedeutung zumisst, werden wir unsere Lobbyarbeit verstärkt darauf ausrichten, für Kinder zumindest hier gleiche Chancen in Deutschland zu ermöglichen.

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Heute ist der Internationale Tag der Familie

Mehr Mut zum Unperfektsein

Gisela Peter/pixelio.de

Gisela Peter/pixelio.de

Familie: Hier lernen Kinder, sich zu streiten und sich wieder zu vertragen. Sie erfahren Fürsorge, Nähe, Zuspruch und das gute Gefühl „Hier gehöre ich hin“. Für viele Kinder ist ihre Familie das Wichtigste überhaupt. Um an diese zentrale Stellung der Familie zu erinnern, haben die Vereinten Nationen den Internationalen Tag der Familie ausgerufen. 1994, vor genau zehn Jahren, wurde er zum ersten Mal begangen.„Wozu denn das?“, mögen sich manche fragen. Weil das Leben in einer Familie alles andere als einfach ist. Die Anforderungen an Familien sind in den vergangenen Jahren enorm gewachsen, weil sich die gesellschaftlichen Verhältnisse gewandelt haben.

Wir als Deutscher Kinderschutzbund schauen natürlich besonders auf die Situation der Kinder. Denn Familien sind alle Lebensformen mit Kindern – ob mit beiden Elternteilen, mit einer Mutter oder zwei Vätern. Familie heißt: Vielfalt. Aber wie können in dieser Vielfalt alle glücklich werden? Wie passen Kinder, Familienleben, Partnerschaft, Beruf, aber auch die ganz persönlichen Interessen unter einen Hut? Ich glaube, wir müssen aus diesen unterschiedlichen  Anforderungen den Druck rausnehmen.

Wir werden es niemals schaffen, allen Bereichen gleich gut gerecht zu werden – zumindest nicht zur selben Zeit. Zu manchen Zeiten steht vielleicht der Beruf weiter vorn, in anderen der Alltag mit den Kindern oder die Partnerschaft. Mehr Gelassenheit und den, Mut nicht immer alles perfekt und sofort zu schaffen zu müssen! Das ist ein Motto, mit dem ich mich gut anfreunden kann. Heute, am Internationalen Tag der Familie, ganz besonders.

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NRW-Schulministerin lädt zum Runden Tisch ein

Turbo-Abi: ja oder nein?

S. Hofschlaeger/pixelio.de

S. Hofschlaeger/pixelio.de

Die Abiturienten sollen der Wirtschaft ein Jahr früher zur Verfügung stehen. Bei solchen Aussagen von Befürwortern des Abiturs nach acht Jahren auf der weiterführenden Schule (G8) kriege ich die Wut. Heute Nachmittag hat die NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann zum „Runden Tisch“ nach Düsseldorf eingeladen, um über die Zukunft des Turbo-Abiturs zu beraten. Bei solchen Gesprächen kann aus meiner Sicht nicht nur darum gehen, dass junge Leute früher ins Arbeitsleben starten können.

Was ist denn mit der Zeit davor? Mit den Jahren zwischen Kindergarten und Abitur? Kinder und Jugendliche brauchen doch nicht nur Fachwissen im Kopf, sondern sie brauchen Zeit. Zeit, um in den Sportverein zu gehen, sich mit ihren Freunden zu treffen oder sich sozial zu engagieren … Und die haben sie nicht, wenn jegliche Energie ins Lernen fließt. Im Moment ist es aber so – das beklagen Eltern und Schülerinnen und Schüler – dass auf dem Gymnasium viel zu viel Stoff in zu wenig Unterricht gequetscht wurde. Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder werden die Lehrpläne bei G8 radikal entschlackt oder – was ich für die bessere Lösung halte: Wir kehren zum Abitur nach neun Jahren Gymnasium zurück.
Was denken Sie darüber? Wir freuen uns über Kommentare im Blog.

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Fernseh-Kritik: "Wer seine Kinder liebt, der züchtigt sie"

Eine behutsame Sammlung persönlicher Erfahrungen

w. r. wagner/pixelio.de

© w. r. wagner/pixelio.de

“Wer seine Kinder liebt, der züchtigt sie….” So lautet der Titel der 45-minütigen Dokumentation, die ich letzte Woche in der ARD gesehen habe. Der Film berichtet über drei Protagonisten (Jahrgang 1940, 1946 und 1959), deren Kindheit durch Prügel und seelische Gewalt bestimmt war. Die Doku hinterließ bei mir ein beklemmendes Gefühl angesichts der unberechenbaren Grausamkeiten denen die Kinder ohnmächtig ausgesetzt waren.Der Film beschreibt sehr eindringlich, wie Kinder jene Zeit erlebten, in der Schläge mit Rohrstock, Teppichklopfer, Gerte oder Ledergürtel ganz selbstverständlich zum Alltag in Familie und Schule dazugehörten. Kinder sollten parieren, Gehorsam leisten, widerstandsfähig und zäh sein. Ihre Leben wurden geprägt von gnadenlos demütigenden Erziehungsmethoden und dem innerlichen Überlebenskampf diese zu ertragen. Der Film beschreibt auch die gesellschaftliche Atmosphäre, in der ein solcher Umgang mit Kindern geduldet wurde, das selbstverständliche Schweigen und Wegsehen der anderen, das stille Hinnehmen aller.Olle Kamelle – von wegen! Erst seit dem Jahr 2000 ist in Deutschland Gewalt in der Erziehung gesetzlich verboten. Zu Recht! Denn: Eine Tracht Prügel hat noch niemandem geholfen! Gewalt trägt nicht zu einem gelingenden Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen bei, sondern hinterlässt bleibenden Narben.

Die Dokumentation ist keine leichte Kost, denn sie ist keine nüchterne Berichterstattung sondern vielmehr eine behutsame Sammlung persönlicher Erfahrungen und deren Folgen. Dabei verzichtet sie auf pietätlosen Populismus.

Wer die Sendung verpasst hat, kann sich den Film online anschauen.

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Kinder aus unserem Projekt "Klein ganz groß - Gesundheit macht stark" entdecken eine Apotheke

Gesundheitsforscher unterwegs

DKSB / Birgit Knauer

© DKSB/Birgit Knauer

Apotheken sind neben der Arztpraxis in aller Regel die ersten Anlaufstationen, die wir aufsuchen, sobald ein Infekt im Anmarsch ist. Wir hoffen auf kompetente Beratung und wirkungsvolle Medizin. Aber machen wir uns überhaupt ein Bild davon, wem wir unsere Genesung dort anvertrauen?
Die Vorschulkinder der DKSB Kita Blumenwiese haben  mal hinter die Kulissen der Sonnenapotheke in Essen-Karnap geschaut. Mit viel Geduld und Ruhe wurden die Kinder, die derzeit an unserem Kindergesundheitsprojekt „Klein ganz Groß! Gesundheit macht stark.“ teilnehmen, von zwei Apothekenmitarbeiterinnen in den Räumlichkeiten herumgeführt. Sehr aufregend fanden die Kleinen die vielen Apparaturen, mit denen Apotheker tagtäglich hantieren und Medizin anrühren. Besonders angetan hat es ihnen die Schutzbrille, die wirklich auf „jede“ Nase passt.

Apropos Nase: zu riechen war auch was dabei. Verschiedenste Varianten aus der Welt des Tees standen zum Anfassen bereit. Kennen viele Kinder Tee heute doch meist aus dem Teebeutel, den man ohne ihn wirklich wahrzunehmen ins Wasser taucht, durften sie ihn hier in all seinen Facetten erleben. Von Hibiskusblüten und getrockneten Apfelstücken, über Hagebuttenschalen bis hin zu Erdbeerblättern durfte alles getestet werden. Es wurde gerochen, gefühlt und gestaunt. Teils sind sie geeignet zur Appetitanregung, andere werden gegen Husten eingesetzt oder tun gut bei Erkältungen oder Bauchschmerzen. Allen gemein ist auf jeden Fall eine hohe Portion an Vitamin C. Irgendwie stand aber auch was dazwischen, dass zwar wie Tee aussieht, aber ganz und gar nicht danach riecht. Den Duft kannten einige der Kinder, aber…. Na klar: riecht nach Maggi. Liebstöckel heißt das Kraut, aus dem die Flüssigkeit in der braunen Flasche hergestellt wird. Sehr beeindruckend! Weiterlesen …

 

Vor zehn Jahren ging das soziale Netzwerk online - ein persönlicher Geburtagsgruß

Happy birthday, facebook!

Klaus Stevens/pixelio.de

Vor zehn Jahren ging das ursprünglich als Uniprojekt gedachte Portal erstmals online – und zählt mittlerweile über 1 Milliarde Nutzerinnen und Nutzer. Marc Zuckerberg, damals als 20-jähriger Student an der Harvard University eingeschrieben, wurde mit seiner Erfindung im Laufe der Zeit zu einem der jüngsten Milliardäre der Geschichte. Die Plattform ist zurzeit an der Börse rund 150 Milliarden US-Dollar wert. Doch welches Geheimnis – und welche Faszination – steckt eigentlich hinter dem Giganten „facebook“?
Die Frage kann ich mir selbst beantworten.

Mein „facebook“ Konto existiert seit dem 30. August 2007. Es war während meiner Studentenzeit in Toronto und ich wurde seit geraumer Zeit von mehreren meiner internationalen Kommilitonen  in regelmäßigen Abständen gefragt, wie und warum ich auf „facebook“ verzichte – ich würde schließlich etwas verpassen und „jede/r“ wäre dort: „facebook“ war in aller Munde! Weiterlesen …