Polizei-Statistiken zu Gewalt gegen Kinder

Hinschauen kostet nichts


(c) DKSB/Susanne Tessa Müller

(c) DKSB/Susanne Tessa Müller

Eigentlich nehme ich Zahlen nicht so ganz wichtig, weiß ich doch um ihre Begrenztheit. Oft sind sie für meinen Geschmack zu abstrakt und zu nüchtern. Aber kürzlich sind mir beim Nachrichtenhören einige Zahlen doch sehr unter die Haut gegangen. 153 Kinder sind im vergangenen Jahr in Deutschland getötet worden – entweder durch Mord, Tötung oder Körperverletzung. So steht es in der polizeilichen Kriminalstatistik. 4000 Kinder wurden misshandelt und über 13.000 Opfer eines sexuellen Missbrauchs.

Ich beschäftige mich seit über 19 Jahren mit dem Thema „Gewalt gegen Kinder“ und weiß daher, dass zahlreiche Kinder in der einen oder andere Weise von Gewalt betroffen sind. Aber wenn ich die Schicksale der Kinder so kondensiert präsentiert bekomme, bin ich doch immer noch betroffen. Hinzu kommt, dass ich   mir darüber im Klaren bin, dass gerade bei der sexualisierten Gewalt die  tatsächlichen Zahlen sehr viel höher sind als die Statistik vermuten lässt. Denn es ist von einer sehr hohen Dunkelziffer auszugehen.Das Fatale an der Situation ist ja gerade, dass trotz  guter Unterstützungsangebote für solche Familien dennoch Kinder zu Schaden kommen. (Denn die meisten Gewalttaten gegen Kinder passieren ja im sozialen Umfeld.)  Die vorhandenen Angebote sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Jugendämtern und bei freien Trägern oftmals mit unzureichenden Kapazitäten gearbeitet werden muss. Denn die Fallzahlen steigen, aber das Personal nicht im gleichen Verhältnis. Da bleibt oft für den einzelnen Fall, der möglicherweise gar nicht so auffällig ist, manchmal zu wenig Zeit. . An dieser Stelle wäre das Geld viel besser investiert, das die Bundesregierung im Moment in das Betreuungsgeld steckt. Und auf jeden Fall eine Strafanzeige zu stellen, wie es der Präsident des BKA, Jörg Ziercke, vorgestern vorschlug, ist zwar zu berücksichtigen, aber eben nicht in jedem Fall von Gewalt gegen Mädchen und Jungen angemessen. Vielmehr ist in jedem Einzelfall eine differenzierte, fachliche Abwägung  zu treffen, mit welchen Maßnahmen der Schutz von Kindern sicherzustellen und was in ihrem besten Interesse ist.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie im Portal des Kompetenzzentrums Kinderschutz.

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1 Kommentar

  1. Jörg Mostert sagt:

    Ich bin selber als Kind ab meinem 4. Lebensjahr 8 Jahre von meinem Onkel sexuell Misshandelt und von meinen Eltern an ihm verkauft worden. ich verstehe bis heute nicht, dass in dieser Gesellschaft die folgen von Gewalt an kindern nicht mehr proklamiert wird wo es doch genügend Literatur z.B. Alice Miller zu diesem Thema gibt.

    mit freundlichen Grüßen
    J. Mostert
    P.S ich werde in naher Zukunft ein Buch mit dem Thema meiner Kindheitserlebnisse rausbringen

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