Unsinniger Vorschlag zur Zukunft der Schlecker-Mitarbeiterinnen:

Aus der Drogeriekette in die Kita?


Liegt hier die Zukunft der Schlecker-Mitarbeiterinnen

© Dieter Schütz/PIXELIO

“Hallo KITAS – Rettung naht!” So betitelte die Frankfurter Rundschau in der vergangenen Woche eine Karikatur. Ob sie da schon von der aktuellen Idee der Regierung wusste, arbeitslose Schlecker-Mitarbeiterinnen zu Erzieherinnen umschulen lassen zu wollen? Ein Vorschlag, der mich maßlos ärgert, weil er nahe legt, dass im Grunde alle Menschen Kinder betreuen und fördern können.

Um hier erst gar keine Missverständnisse entstehen zu lassen: Die (drohende) Arbeitslosigkeit aller „Schleckerfrauen“ ist ein ernstes Thema und bedarf (auch) der politischen Hilfe. Aber muss es wieder mal der Bildungs- und Erziehungsbereich sein, der als Auffangbecken dienen soll? Natürlich wären unter den früheren Mitarbeiterinnen der Drogeriekette sicherlich einige, die für eine Tätigkeit mit Kindern geeignet wären – aber das trifft sicher längst nicht auf alle zu. Kinder und ihre Förderung sollten uns mehr wert sein. In vielen anderen europäischen Ländern ist eine akademische Ausbildung nötig, um mit kleinen Kindern in der Kita arbeiten zu dürfen. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen geht mit ihrem Vorschlag in die völlig falsche Richtung, finde ich. Wir brauchen mehr Qualifizierung in der Kinderbetreuung – und nicht weniger!

Spätestens seit den PISA und IGLU-Untersuchungen ist deutlich geworden, dass gerade die ersten Lebensjahre die Grundlage bilden, die die weitere Entwicklung des Kindes bestimmen. Hier trifft Hirnforschung auf Kindheitsforschung. Wenn die Kinder erst mal zur Schule kommen, haben sie einen wichtigen Teil ihrer Bildungskarriere bereits hinter sich – vielleicht sogar den wichtigsten. Dabei brauchen sie sachkundige Begleitung – und nicht irgendjemanden, der gerade einen Arbeitsplatz sucht.

Nur ein Schelm denkt an dieser Stelle an den Ausbau der Kindergartenplätze für die unter Dreijährigen im kommenden Jahr. Ab August 2013 haben die Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Platz für ihr Kind, und bis dahin muss auch entsprechendes Personal zur Verfügung stehen. Das wird eng, das ist kein Geheimnis. Aber Schlecker-Mitarbeiterinnen, die sich mit einer verkürzten zweijährigen Berufsqualifizierung auf die Arbeit in einer Kindertagesstätte vorbereiten, sind für dieses Problem sicher keine Lösung. Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas müssen heute beobachten, dokumentieren, evaluieren, Erziehungspläne erarbeiten und auf die vielfältigen Lebensbedingungen der Kinder und Familien reagieren können – eine Arbeit mit hoher Verantwortung. Die Idee der Kitas als „Auffangort“ arbeitsloser Schleckermitarbeiterinnen führt schlichtweg an der Realität vorbei.

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2 Kommentare

  1. Kornelia Schröder sagt:

    Sie sprechen mir aus dem Herzen, Herr Swiderek!
    Ihrem Artikel kann ich nur zustimmen.
    Wir brauchen für unsere Kinder hoch qualifizierte Krafte, die sie ja nicht nur bespassen, sondern bilden sollen. Dieser Beruf ist mit hoher Verantwortung verbunden. Dafür Arbeitslose einsetzen zu wollen, die dafür nur eine verkürte Berufsqualifizierung bekommen sollen, kann nicht ernst gemeint sein. Das ist auch für alle ausgebildeten Erzieherinnen und Erzieher ein Schlag ins Gesicht. Für unsere Kinder, unsere Zukunft, müsste doch gelten: das Beste ist grade gut genug!

  2. Franz Josef Neffe sagt:

    Ich finde, wir haben unsere Probleme verdient.
    Kaum wagt einmal bei uns noch jemand, einen nicht perfekten Gedanken zu denken und auch noch auszusprechen, schon stürzen sich alle darauf und betreiben den deutschen Lieblingssport: FEHLER VERHINDERN.
    Dank dieser unklugen Vorgehensweise haben wir überhaupt keine nennenswerte Erfahrung im Umgang mit Fehlern.
    FEHLER heißen doch FEHLER, weil sie uns sagen wollen und sollen, was FEHLT. Aber wir wollen das nicht wissen.
    Die Gehässigkeit, mit der wir über Leute herfallen, die FEHLER machen, zeigt aber letztlich nur unsere eigene Schwäche und FehlerHAFTigkeit, unsere eigene Ohnmacht, unser eigenes Unvermögen. Wenn wir selber über der Sache stünden könnten wir einfach souverän und gelassen vormachen, wie man das Problem konkret praktisch löst – und dann hätte unser Tun einen konstruktiven Sinn.
    Freundlich grüßt
    Franz Josef Neffe

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