Begleiteter Umgang zwischen Jugendhilfe und Justiz

Was bleibt, wenn nichts mehr geht?


©Simone Hainz / PIXELIO

Die Bedeutung des Begleiteten Umgangs ergibt sich aus der Reform des Kindschaftsrechtes und der UN-Kinderrechtskonvention. Diese Vorgaben haben Konsequenzen für die Anordnung des Begleiteten Umgangs durch das Familiengericht und für die Ausgestaltung als Leistungsangebot der Jugendhilfe.

In Wissenschaft und Praxis besteht großes Interesse an einem interdisziplinären Austausch über Standards, deren Fortschreibung, an Fortbildung und an einem Informationspool, der der Vielfalt des Themas in Qualität und Breite gerecht wird.

Die diesjährige Fachtagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Begleiteter Umgang e.V. greift die Themenschwerpunkte hochstrittige Trennungskonflikte, häusliche Gewalt und die damit verbundene Belastung für die Kinder auf. Die Veranstaltung findet am 19. Und 20. September 2011 in Düsseldorf statt. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Begleiteter Umgang e.V. (BAGBU) ist ein eingetragener Verein, der sich im Jahre 2001 gegründet hat. Die BAGBU will ein Forum des Austauschs, der Qualifizierung sowie der nachhaltigen Bündelung und Vertretung von Fach- und Rechtsmeinungen sein. In diesem noch jungen Arbeitsfeld der Jugendhilfe stellt die BAGBU einen mittlerweile interdisziplinären Zusammenschluss von Anbietern, Praxisprojekten und Fort- und Weiterbildungsträgern dar.

Eine ebenfalls interdisziplinäre Herangehensweise an das Thema „Begleiteter Umgang“ bietet die Neuauflage des Praxishandbuchs „Begleiteter Umgang – Pädagogische, psychologische und rechtliche Aspekte“, welches im Bundesanzeiger Verlag Köln 2011 erschienen ist. Ein interdisziplinäres Autorenteam beleuchtet in dieser Gesamtdarstellung die rechtlichen, psychologischen und pädagogischen Aspekte des Begleiteten Umgangs und gibt hilfreiche Konzepte für die Praxis, alltagstaugliche Checklisten und Beispiele der Umsetzung an die Hand.

Praxishandbuch "Begleiteter Umgang"

Praxishandbuch "Begleiteter Umgang"

Nach dem Konzept des Deutschen Kinderschutzbundes, das an vielen Stellen in diesem Handbuch als Beispiel dient, sind dabei Mitarbeiter der Jugendhilfeträger oder ehrenamtliche Umgangsbegleiter engagiert. Die Umgangsbegleitung erfordert eine systemische sowie kindorientierte Betrachtungs- und Handlungsweise.

Auszug aus: Praxishandbuch Begleiteter Umgang – Pädagogische, psychologische und rechtliche Aspekte, Neuauflage, Köln 2011:

„Nach wie vor erleben Kinder und Jugendliche die Trennung und Scheidung ihrer Eltern oder andere familiäre Trennungen. Jedes Jahr sind ungefähr 170 000 Kinder und Jugendliche von der Scheidung ihrer Eltern betroffen.  Hinzukommen Kinder, die bei Pflegeeltern leben. Allein im Jahr 2008 wurden 14.500 Pflegekinder vermittelt (van Santen 2010). Für viele Kinder bedeutet dies eine Beziehungseinschränkung bis hin zum Kontaktabbruch zu wichtigen Bezugspersonen und damit auch eine Beeinträchtigung der kindlichen Entwicklungsmöglichkeiten, teils verbunden mit traumatisierenden Folgen. Der Gesetzgeber hat auf diese besondere Situation mit verschiedenen Reformen des Kindschaftsrechts reagiert und dabei u. a. bereits im Jahr 1998 den begleiteten Umgang definiert.

Der begleitete Umgang ist nach wie vor ein sinnvolles Unterstützungs- und Hilfeangebot nicht nur für Trennungs- und Scheidungsfamilien, sondern zunehmend auch für Pflegekinder. Mit der Neugestaltung des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG) im September 2009 sollen nun die Interessen der Kinder noch mehr in den Mittelpunkt gerückt werden.

Das Familiengericht kann anordnen, dass bei der Ausübung des Umgangsrechts ein „mitwirkungsbereiter Dritter“ anwesend ist. Dabei soll der besonderen Verantwortung zum Schutz des Kindes vor möglichen Schädigungen ebenso entsprochen werden wie der Unterstützung beim Beziehungserhalt und Beziehungsaufbau. Auf die steigende Nachfrage nach dem begleiteten Umgang hat die Fachwelt mit unterschiedlichen Konzepten reagiert. Seit dem Ersterscheinen des Handbuches im Jahr 2004 hat sich die juristische Lage für das Kindeswohl erfreulicherweise kontinuierlich verbessert. Zu den zahlreichen und vielfältige Veränderungen in der Gesetzgebung gehört vor allem das schon erwähnte FamFG, Endlich gibt es auch – zumindest als aktuellen Gesetzentwurf der Bundesregierung – ein Bundeskinderschutzgesetz (BkiSchG). Dieses soll der Stärkung eines aktiven Schutzes von Kindern und Jugendlichen dienen, insbesondere wichtige Akteure im Kinderschutz in Kooperationsnetzwerken zusammenführen sowie mehr Handlungs- und Rechtssicherheit bieten (Bundesrat Drucksache 202/11 vom 15. April 2011).

Auch in der Fachwelt wurden durch Studien und Expertisen die Standards im Kontext des Kindesschutzes für von Trennung und Scheidung betroffene Kinder optimiert. Die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durch das Staatsinstitut für Frühpädagogik Ende der 90er erarbeiteten „Deutschen Standards zum begleiteten Umgang“ wurden verabschiedet und dabei zahlreiche Änderungsvorschläge aufgenommen (BMFSFJ 2008). Die im 2006 publizierten „Standards Begleiteter Umgang“ des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) werden derzeit vom Bundesausschuss des DKSB erneut überarbeitet und sollen in 2012 verabschiedet werden.“

Bookmark and Share

1 Kommentar

  1. Schüssler Salze abnehmen sagt:

    Hallo! So ein wunderschöner Artikel. Vielen Dank! Diese Artikel könnte mir ja wirklich sehr helfen…

Hinterlasse eine Antwort