Beiträge mit dem Tag "Beschneidung"

Oberlandesgericht Hamm entscheidet: Sechsjähriger darf nicht beschnitten werden

Im Zweifel für das Kind


© Michael Grabscheit/pixelio.de

Eine Mutter aus Dortmund darf ihren sechsjährigen Sohn vorerst nicht beschneiden lassen. Das hat das Oberlandesgericht Hamm kürzlich entschieden. Die aus Kenia stammende Frau wollte den Jungen nach den kulturellen Riten ihres Heimatlandes beschneiden lassen. Der geschiedene Vater des Kindes ist dagegen – und hatte dagegen geklagt. Das Urteil konkretisiert die Beschneidungsvorschrift, die im vergangenen Jahr in das Bürgerliche Gesetzbuch aufgenommen worden war (§ 1631 d)

Interessant und erfreulich ist die Begründung des Gerichts: Der Junge sei nicht angemessen beteiligt worden, so das Hauptargument des Gerichts. Die Wünsche des Kindes müssten sowohl von den Eltern als auch vom Arzt zu berücksichtigt werden – und dazu sei es im Dortmunder Fall nicht gekommen. Außerdem befürchtet das Gericht, dass eine Beschneidung das psychische Wohl des Kindes beeinträchtigt, weil die Mutter ihren Sohn nicht zum Eingriff begleiten will.

 

 

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Diskussion zur „Beschneidung von Jungen“ war lang und wertvoll

Aufklärung statt Strafe


© Thommy Weiss/PIXELIO

Das Thema „Beschneidung von Jungen“ ist mir nicht fremd. Denn verbunden mit dem Kölner Urteil im letzten Sommer wurde der Kinderschutzbund von verschiedenen Seiten zu seiner Position dazu gefragt. Infolgedessen habe ich es von allen möglichen Seiten betrachtet, viel darüber gelesen und mit vielen verschiedenen Menschen darüber diskutiert.Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – habe ich am Samstag eine Debatte miterlebt, nach der ich vieles noch mal klarer sehe. Die Diskussion zur Beschneidung von Jungen nahm den größten Raum der inhaltlichen Beratung bei der DKSB Bundesmitgliederversammlung in München ein. Anlass des regen und sachlichen Meinungsaustauschs war ein Antrag des Ortsverbandes Hildesheim, der darauf abzielte, religiöse Beschneidungen von Jungen unter Strafe zu stellen. Das halte ich für kein geeignetes Mittel, Eltern dazu zu bringen, auf die Beschneidung von noch nicht zustimmungsfähigen Jungen zu verzichten – und die Mehrheit der Delegierten auch.

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Kabinett bringt Gesetzentwurf zur Beschneidung von Jungen auf den Weg

Wir hätten da noch ein paar Fragen…


© Martin Büdenbender/PIXELIO

Man konnte das erleichterte Aufatmen fast hören, das gestern durch das politische Berlin ging. Das Bundeskabinett hat im Schnellverfahren einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der zukünftig die Beschneidung von jüdischen und muslimischen Jungen regelt. Damit soll hinter die hitzige öffentliche Debatte der vergangenen Monate ein Schlusspunkt gesetzt werden.

Die Fakten: Der Eingriff soll weiterhin erlaubt sein, wenn die Regeln der ärztlichen Kunst eingehalten werden. Das Kind soll eine Betäubung oder Narkose bekommen. Die Eltern müssen sich über die Risiken aufklären lassen und das Kindeswohl darf nicht gefährdet sein. Für Kinder unter sechs Monaten gilt eine Sonderregelung: Ihre Vorhaut darf nicht nur von einem Arzt, sondern auch von einem religiösen Beschneider entfernt werden. Vertreter von Juden und Muslimen sind im Großen und Ganzen zufrieden – und wir?

Wir hätten da noch ein paar Fragen: Warum dürfen Kinder unter sechs Monaten auch von Menschen beschnitten werden, die keine Ärzte sind? Diese Altersgrenze ist aus unserer Sicht völlig willkürlich gesetzt – und keinesfalls mit den Kinderrechten vereinbar. Wenn Eltern entscheiden, dass ihre Kinder beschnitten werden sollen, dann brauchen wir für diese Operationen einen gesicherten medizinischen Standard – und der darf nicht durch Sonderregelungen im Gesetz ausgehebelt werden. Weiterlesen »