Beiträge mit dem Tag "Kinderarmut"

Armut von Kindern und Jugendlichen immer ist in NRW noch ein großes Thema

Das Handlungskonzept der Regierung ist nur Stückwerk


(c) Lupo/pixelio.de

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Kinderarmut in NRW ist kein neues Thema. Als von Armut bedroht gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Einkommens verdient.

Schon 2008 forderte das Bündnis zur Bekämpfung der Kinderarmut bestehend aus Deutscher Kinderschutzbund, AWO, DGB, GEW und dem Paritätischen von der Landesregierung konkrete Maßnahmen zur Armutsbekämpfung.  Sieht man sich die Zahlen von 2012 an, wird deutlich, dass 643.000 Kinder und Jugendliche in NRW unter 18 Jahren einkommensarm waren. Eine erschreckend hohe Zahl.

Nun hat die Landesregierung NRW im Frühjahr 2014 ein Handlungskonzept gegen Armut und soziale Ausgrenzung gestartet, das bis 2020 laufen soll. Die Regierungsparteien möchten vorbeugende Politik vor Ort betreiben — in Zusammenarbeit mit Kommunen und anderen Organisationen, mit Initiativen, Bürgerinnen und Bürgern in den Sozialräumen bzw. Quartieren.

Doch das Handlungskonzept der Regierung ist Stückwerk. Es werden entweder nur Absichtserklärungen und keine konkreten Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderarmut formuliert oder auf Modellprojekte, wie das in sieben Kommunen für Jugendliche laufende Projekt „Kein Abschluss ohne Anschluss“, verwiesen.

Besonders deutlich wird, dass die Politik kein ausgereiftes Gesamtkonzept hat, um wirksam die strukturellen Ursachen von Kinderarmut zu bekämpfen. Es wird eher versucht mit Hilfe von kostenneutralen Gesprächsrunden und vollmundigen Absichtserklärungen Kosmetik an den sozialen Auswirkungen von Armut zu betreiben.

Strukturelle Ursachen von Armut sind:  Zuwachs an prekären Arbeitsverhältnissen, hohe Mietsteigerungsraten, ungebremste Energiekosten, ungleiche Einkommenssituation von Männern und Frauen, keine bedarfsdeckenden Regelsätze oder die materielle Benachteiligung von Alleinerziehenden. Nach konkreten Aussagen und Maßnahmen, wie die Landespolitik mit diesen strukturellen Ursachen von Kinderarmut umzugehen gedenkt, sucht man vergeblich.

Das Statement der Landesregierung im Handlungskonzept: „Für neue oder bereits bestehende Förderprogramme kann kein zusätzliches Geld aus dem Landeshaushalt eingesetzt werden. … Auch den Kommunen sollen durch die Umsetzung des Handlungskonzeptes für ein Leben ohne Armut und soziale Ausgrenzung keine Kosten entstehen, ihnen sollen keine neuen Aufgaben übertragen werden.“, entlarvt die eigentliche Zielsetzung der Regierung.

Das Handlungskonzept steht für den Sparwillen der Regierungskoalition aber nicht für die Bekämpfung der Kinderarmut.

 

Neue Studie belegt: Kinderarmut in einigen Bereichen Nordrhein-Westfalens gestiegen

Kein Geld – und jetzt?


DKSB/Susanne Tessa Müller

„Armut ist in einem reichen Land wie Deutschland relativ“, fand die damalige Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen vor gut einem Jahr. Mittlerweile liegt eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung vor. Eines der für mich wichtigsten Ergebnisse: Kinderarmut stieg in einigen Regierungsbezirken Nordrhein-Westfalens deutlich an. Die meisten Mädchen und Jungen in einkommensschwachen Haushalten lebten 2012 in den Regierungsbezirken Düsseldorf (186.000), Köln (145.000) und Arnsberg (143.000).

Wenn Kinder in Haushalten mit geringem Einkommen groß werden, sind sie grundsätzlich schlechter versorgt als andere. 9,7 Prozent der Jungen und Mädchen in einkommensschwachen Familien in Westdeutschland haben etwa keine ausreichende Winterkleidung; 27,3 Prozent von ihnen leben in zu kleinen Wohnungen. In der Kindheit wenig Geld zur Verfügung zu haben wirkt sich auf das ganze Leben aus. Das zeigt sich in der Studie etwa darin, dass soziale und kulturelle Aktivitäten in ärmeren Familien kaum stattfinden. Weiterlesen »

 

536 Euro an Kindergrundsicherung im Monat würde die Kinderarmut deutlich verringern

Sinnvoll und wirtschaftlich machbar


© Susanne Tessa Müller/DKSB

Eine neue Winterjacke, Wachsmaler für die Schule, Weihnachtsgeschenke… Kinder kosten Geld, das ist klar. Aber viele Eltern können ihnen selbst die einfachsten Dinge des Lebens nicht ermöglichen. Damit wachsen viele Kinder in Armut auf bzw. sind sie von Armut bedroht. In ganz Deutschland sind das mehr als 2,4 Millionen Jungen und Mädchen. Natürlich bekommen sie staatliche Unterstützung. Aber wie sie organisiert und verteilt wird, ist höchst ungerecht. Das ist mir am vergangenen Donnerstag noch mal klar geworden. An diesem Tag habe ich einen Workshop der Landesarbeitsgemeinschaft Arbeiterwohlfahrt NRW und des Zukunftsforums Familie e.V. zur Kindergrundsicherung besucht.

Natürlich bekommen Kinder aus ärmeren Familien staatliche Transferleistungen, aber diese reichen bei weitem nicht aus. Das Kindergeld wird etwa auf das Sozialgeld angerechnet. Deshalb erhalten Mädchen und Jungen, die Hartz IV beziehen, kein Kindergeld. Das ist zutiefst unsozial. Und es trifft auch Familien mit mittleren Einkommen, die aufgrund starrer Einkommensgrenzen aus dem Unterstützungssystem fallen. Deshalb spricht sich ein breites Bündnis für eine bedarfsorientierte Kindergrundsicherung aus. Auch der Deutsche Kinderschutzbund macht sich seit langem dafür stark und ist Partner im Bündnis Kindergrundsicherung. In der Praxis heißt die Forderung: Familien ohne oder mit geringem Einkommen bekommen 536 Euro Grundsicherung pro Kind. Das ist das verfassungsrechtlich notwendige Existenzminimum und setzt sich aus Höhe des sächlichen Existenzminimums (356 Euro) und dem Freibetrag für die Betreuung und Erziehung bzw. Ausbildung (180 Euro) zusammen. Weiterlesen »

 

Fachkongress am 6. Oktober in Düsseldorf

Präventionsketten gegen Kinderarmut


Kann ich mit zur Klassenfahrt? Wovon soll ich das Geburtstagsgeschenk für meinen besten Freund bezahlen? Können wir es uns leisten, mal wieder ins Schwimmbad zu gehen? Das sind Fragen, die viele Kinder und Jugendliche quälen: Allein in Nordrhein-Westfalen leben 800.000 unterhalb der Armutsgrenze. Das ist fast jedes vierte Kind. 

Kleines Geld

©Wilhelmine Wulff/PIXELIO

Eine empörende Zahl, findet das „Bündnis zur Bekämpfung der Kinderarmut“. Darin engagieren sich seit 2009 in Nordrhein-Westfalen Arbeiterwohlfahrt (AWO), Deutscher Gewerkschaftsbund (DBG), Kinderschutzbund NRW und der Paritätische gegen die Folgen der Kinderarmut. Das Bündnis forderte Politik und Verwaltung auf, die Betroffenen mit verpflichtender, präventiver Förderung aus dem Teufelskreis der Armut zu holen. 

 Armut überschattet das ganze Leben. Kinder, die in armen Familien groß werden, sind häufiger übergewichtig und können sich nicht so gut bewegen wie andere. Häufig entwickeln sie sich geistig und emotional verzögert. Weil sie nicht ausreichend motiviert und gefördert werden, sind arme Kinder im Schnitt weniger gebildet als andere und erbringen in der Schule schlechtere Leistungen.  Weiterlesen »

 

So leicht können Familien entlastet werden

7 Prozent Mehrwertsteuer auf Kinderartikel!


19 Prozent – so hoch ist in der Regel die Mehrwertsteuer in Deutschland. Nur für wirklich wichtige Produkte gilt der ermäßigte Satz von 7 Prozent. So sollte man jedenfalls annehmen. Lebensmittel, Bücher, Kunst und der Personennahverkehr werden so begünstigt. Aber auch Rennpferde, Hotelübernachtungen, Skilifte und Trüffel… Warum aber gelten 7 Prozent Mehrwertsteuer nicht für Kinderartikel?

Genau das fordert die Initiative „7 Prozent – Mehrwert gerecht steuern“, die von der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen (AGF) und dem Unternehmen JAKO-O getragen wird. Kooperationspartner ist das deutsche Kinderhilfswerk. Der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) unterstützt diese Forderung. Familien mit Kindern müssen bei der allgemeinen Preissteigerung schnell und gezielter entlastet werden! Weiterlesen »

 

Kleiner "großer" Film einer Nachwuchs- Regisseurin

Armut kennt viele Geschichten


Eine Lehrerin tritt vor eine Grundschulklasse und fragt: „Was war denn euer schönster Tag in der letzten Woche?“ Viele Kinder melden sich, doch die Lehrerin ruft den kleinen Max auf, der gedankenverloren in sein Heft malt. „Wir haben einen schönen Ausflug gemacht mit der ganzen Familie“, beginnt er schüchtern und erzählt von märchenhaften Erlebnissen…

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RTL: Werbung und Wirklichkeit

Arme Kinder als Soap-Darsteller? Ohne uns!


“RTL – Wir helfen Kindern” – so strahlt es uns jetzt in der Vorweihnachtszeit von großen Plakatwänden entgegen. Geworben wird da für einen Spendenmarathon für benachteiligte Kinder in In- und Ausland. Das ist eine gute Sache. Aber wenn man gleichzeitig von der neuen TV-Serien-Planung  hört, entstehen doch eine ganze Menge Fragezeichen. Im Augenblick sucht eine Fernseh-Produktionsfirma Familien für ein neues – wieder mal in England abgegucktes – Reality-Format. In England nennt es sich „Wie die andere Hälfte lebt“ und wird auf Channel 4 ausgestrahlt.

Worum geht es darin? “Gut situierte” Familien sollen über einen Zeitraum von 3 Monaten “armen” Familien helfen. Schöne Idee – wenn nicht die Kamera immer dabei wäre. Weiterlesen »

 

Kinderarmut bekämpfen vor Ort

Patenprojekt: “Große helfen Kleinen”


Karate dank Patenschaft, Foto: DKSB Rhein.-Berg. Kreis

Seit fünf Jahren bewegt der Kinderschutzbund Kreisverband Rheinisch-Bergischer  Kreis e.V. Bürger und Unternehmen dazu, Patenschaften der besonderen Art zu übernehmen –  für Kinder, die unter Armut leiden. „Große helfen Kleinen“ heißt das Projekt.  321 Mädchen und Jungen konnten so an Reit- und Schwimmkursen, Musik-Unterricht und an vielem mehr teilnehmen.

Auch Kimberley, 14jährige Tochter einer allein erziehenden Mutter, kann jetzt Badminton in einem Verein spielen. Was, wenn es die Hilfe durch den Ortsverband nicht geben würde?

„Dann könnten wir eine Woche nichts mehr essen. Aber das geht ja nicht. Wir hätten uns das also gar nicht leisten können“, antwortet ihre Mutter. Weiterlesen »

 

"Leben im Teufelskreis" in Hattingen

Kinderarmut macht Maria von Welser wütend


Foto: Jürgen Kura, DKSB NRW

„Deutschland ist ein kinderfeindliches Land. Kinderarmut ist eine Schande! Ich schäme mich für unser reiches Land“, sagt Maria von Welser empört. Sie ist am 09. November 2010 in die Stadtbibliothek Hattingen gekommen, um aus ihrem Buch „Leben im Teufelskreis. Kinderarmut in Deutschland – und keiner sieht hin“ zu lesen. Ein Jahr lang hat die engagierte Journalistin (früher „Mona Lisa“,  ZDF) und stellvertende Vorsitzende von Unicef Deutschland drei Kinder aus sozial belasteten Familien begleitet. Sie trägt emotionale Porträts von “Vanessa”. “Melanie” und “Kevin” vor. Arme Kinder aus einer nicht genannten “großen deutschen Stadt”.

Das Publikum ist erschüttert zu hören, welche Nöte und Sorgen die Kinder plagen: Weiterlesen »

 

Sofortprogramm gegen Kinderarmut

Die neue Landesregierung in die Pflicht nehmen


Foto: Jens Weber, pixelio.de

Die “Memorandum-Gruppe gegen Kinderarmut”, zu der DKSB, AWO, Paritätischer Wohlfahrtsverband, DGB NRW und GEW NRW gehören, wird auch die neue Landesregierung nicht in Ruhe lassen. Sie muss die Folgen der immer noch erschreckend hohen Kinderarmut in NRW konsequent bekämpfen.

Im Herbst wird die Gruppe ein Sofortprogramm vorlegen. Es geht dabei nicht nur um NRW. Was das Land nicht aus eigener Kraft verändern kann, muss es durch Druck über den Bundesrat auf Bundesebene anpacken. Dazu gehören eine adäquate Finanzausstattung der Kommunen und die Verhinderung einer weiteren finanziellen Aushungerung der Hartz-IV-Familien, z. B. durch Wegfall des Elterngeldes, Kürzung der Kinderzuschläge und geringere Übernahme von Wohnungskosten.

Für NRW geht es konkret um acht Handlungsfelder:

  • kostenfreier Zugang zu den Einrichtungen der Erziehung, Bildung und Betreuung
  • gemeinsames Lernen von der ersten bis zur letzten Klasse
  • bedarfsgerechter Einsatz von Familienhebammen für eine verlässliche Betreuung und Begleitung von Problemfamilien
  • Rechtsanspruch auf Familienbildung von Anfang an
  • auskömmliche Finanzausstattung von Familienzentren bei Ausweitung des Angebots
  • gezielte Ansprache von armen Familien, damit sie ab dem 6. Monat das Angebot der Kindertageseinrichtungen nutzen
  • Weiterentwicklung der offenen Ganztagsschule als Instrument der Armutsprävention
  • Kinder- und Jugendhilfe mit den Leistungen der Gesundheitshilfe verknüpfen.

Kinderarmut darf die in Kindern schlummernden Potentiale nichtvernichten. Fitte Kinder braucht das Land! Mehr dazu hier:

http://www.kinder-verdienen-mehr.de/