Beiträge mit dem Tag "Missbrauch"

WAZ kritisiert das mangelnde Engagement gegen sexuellen Kindesmissbrauch

Die Wahrheit jenseits der Statistik


© DKSB/Susanne Tessa Müller

„Politik versagt im Kampf gegen Kindesmissbrauch“, titelte die WAZ gestern sehr plakativ. Über den Artikel, der auf die Schlagzeile folgt, habe ich mich geärgert. Die Zeitung kritisiert, dass sich trotz Engagement gegen den Kindesmissbrauch in den vergangenen Jahren nichts verändert habe und belegt das mit gleichbleibenden Zahlen der offiziellen NRW-Kriminalstatistik. Die zählt aber lediglich die Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch, die bei der Polizei angezeigt wurden.Die Dunkelziffer in diesem Bereich ist jedoch sehr viel höher, so dass diese Statistik meiner Meinung nur bedingt aussagekräftig ist. Wir wissen aus Untersuchungen, dass insbesondere Missbrauchsfälle im familiären Kontext häufig nicht zur Anzeige gebracht werden. Und es gibt Gründe für und gegen Anzeigen. Das muss im Einzelfall entschieden werden. Weiterlesen »

 

Besserer Schutz von Kindern in öffentlichen Einrichtungen

Kontrolle ist gut – Beteiligung ist besser!


Kinder haben Rechte – auch in stationären Einrichtungen, Foto: DKSB/Susanne Tessa Müller

Erziehung in öffentlichen Einrichtungen ist ins Gerede geraten – zurecht. Auch wenn die meisten Akte von Gewalt gegen Kinder (sowohl körperliche als auch sexuelle) im Privaten, in Familien, stattfinden, sind auch die sozialen Institutionen in die Kritik geraten. Auslöser waren vor allem die Berichte ehemaliger Heimkinder, die in den 1945 bis 1970er Jahren in Erziehungsheimen lebten. Welche Schlußfolgerungen können für besseren Schutz von Kindern in dieser Lebenslage gezogen werden?

Ende 2010 hat der „Runde Tisch Heimerziehung“ seinen Abschlußbericht vorgelegt und bestätigte damit das Leid und Unrecht, unter dem viele Kinder und Jugendliche leiden mussten. Weiterlesen »

 

Entwurf für Kinderschutzgesetz

Nichts Neues – aber die Richtung stimmt


Der von der Bundesregierung im Sommer angekündigte „Herbst der Entscheidungen“ hat ein neues (Winter-) Ergebnis gezeitigt: Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina Schröder, hat den Entwurf eines „Bundeskinderschutzgesetzes“ vorgelegt. Darin steht Einiges, was der Deutsche Kinderschutzbund schon lange fordert oder praktiziert. Doch noch ist nichts entschieden. Der Diskussionsprozess geht jetzt erst richtig los.

Mehr für Kinder – Für mehr Kinder! Foto: Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de

Noch ist es nur die Ankündigung eines Gesetzgebungsverfahrens, das erst am 1. Januar 2012 in seiner dann vorliegenden endgültigen Fassung geltendes Recht werden soll. Bis dahin werden alle Ebenen der Politik und die Verbandslobby noch verändern und mitgestalten. Insbesondere die Ländervertretungen im Bundesrat und die kommunalen  Spitzenverbände werden Einfluss nehmen. Zum einen, um den eigenen Gestaltungswillen geltend zu machen, zum anderen, um Kostenfolgen zu minimieren.

Deshalb muss sich insbesondere auch die Kinderlobby einbringen, um die Kernpunkte dieses Entwurfes zu würdigen, sie zum Teil noch zu verbessern und  dann für ihre Durchsetzung zu kämpfen. Weiterlesen »

 

Angstmache statt Aufklärung

Tatort Privatfernsehen


Ist das eine Win-Win- Situation, wenn ein gewinnorientiertes Privatunternehmen wie der Fernsehsender  “RTL 2 und die ebenfalls zum Bertelsmann-Konzern gehörende Zeitschrift “stern” vorgeben, Volksaufklärung zu betreiben? Diese Frage stellt sich am Beispiel des RTL 2 -Formats „Tatort Internet“, das im stern vom 7.10.2010 über mehrere Seiten ausgiebig gelobt wurde.

Ja –  es ist leider Fakt, dass pädosexuelle Triebtäter in anonymen Internet-Chatrooms ihr Unwesen treiben und auf der Suche nach sexuellen Kontakten mit Kindern sind. Richtig und wichtig ist es auch, Kinder vor solchen potentiellen Verbrechern zu warnen und diese durch Entdeckung und Entlarvung abzuschrecken.

Pädagogen und andere Kinderschützer sollten sich der Aufklärung annehmen und die Politik sollte den gesetzlichen Rahmen für eine wirkungsvolle Strafverfolgung von geplanten oder tatsächlich ausgeführten Straftaten in diesem Feld schaffen.

Wo aber Warnung und Abschreckung letztlich dem Zweck der Gewinnmaximierung im Werbemarkt dienen, da braucht es  die Über-Sandalisierung, die Reizsteigerung beim Publikum. „Sex sells“ gilt leider auch, wenn es um Sex mit Kindern geht!

So wird die vorgebliche Kampagne der Aufrechten leicht zur Kumpanei mit den Ertappten. Der Sender braucht sie, soll seine Rechnung aufgehen.

Die Folgen dieser Art “kommerzialisierter Aufklärung” sind zwiespältig: Sicher wachsen Aufmerksamkeit von Eltern und  Vorsicht bei den minderjährigen Chat-Usern. Aber es steigern sich auch Angst, Verdächtigungen, Unterstellungen und Bezichtigungen.

Es ist schade, dass ein ehemaliger Polizeipräsident und Innensenator sowie eine engagierte Ministergattin sich vor diesen Karren spannen lassen. Besser wäre es, sie würden Lehrer, Sozialpädagogen, Bildungs- und Beratungsstätten sowie Kinderschutz-Organisationen darin unterstützen, Eltern zu helfen, “Wege durch den Mediendschungel” zu finden.

Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Darum: Wehret den Angstmachern!